Streitpunkt? Zomia!

Metin Hakverdi hat in seiner Einschätzung eben nicht Recht. In Wilhelmsburg gibt es verschiedene Meinungen zum Bauwagenplatz. Natürlich gibt es Leute die für oder eben gegen Zomia sind, aber die Darstellungen im Elbe Wochenblatt vom 5. Oktober 2011, welche sich beide auf den Artikel "Alle lieben Zomia?" vom 28. September beziehen, sind sehr einseitig. Meinungspluralismus - nein, Danke?

Ich war dabei und habe mich gefreut, als die Bewohner_innen von Zomia hier in Wilhelmsburg eingetroffen sind und ich freue mich über alternatives Wohnen. Okay, ich bin hier her gezogen und ich bin auch Student und natürlich treibe auch ich die Mieten hier hoch und auch alle anderen Studierenden, die nach Wilhelmsburg ziehen. Aber Zomia ist meiner Meinung nach genau das Beispiel dafür, wie Wohnen und Leben funktionieren sollte, eben nicht in Abhänigkeit von Vermieter_in oder Geldbeutel, sondern selbst organisiert und frei.

Immer wieder klingt das Argument mit, wie doch der Wagenplatz der Natur schade. Überlegen Sie bitte einmal, was es bedeuten würde an selber Stelle ein Haus zu bauen, die Fläche zu versiegeln, die Schädlichkeit von Beton für die Natur und in der Herstellung, der Transport... Ich könnte an dieser stelle viele Punkte aufzählen. Aber wenn es eins ist, was man den Bewohner_innen keinen Falls vorwerfen kann, dann das sie der Natur schaden wollen. Sie leben viel mehr im Einklang mit ihr und bemerken Veränderungen in ihrer Umgebung.

Was in den beiden Leserbriefen mitklingt ist der blanke Neid der eingelebten Wilhemsburger Bourgeoisie und ihre Existenzangst die nicht durch Zomia bedroht wird, sondern durch Finanzmarktspekulation und Wohnungspolitik, die von Menschen wie Metin Hakverdi mit vorangetrieben wird. Die SPD bekommt es nämlich nicht hin, die Wohnungspolitik Hamburgs nachhaltig zu verändern. Sie wird weiter am Kurs festhalten, um hier ein neoliberales Hamburg zu etablieren. Machen Sie sich in den nächsten Jahren schon einmal gefasst, wie sich Wilhelmsburg oder auch Harburg verändern werden, vielleicht denken Sie dann nochmal an die Zeit, die man hier im Moment noch erleben kann, in der Mieten hier noch bezahlbar waren.

Die Wagenplatzbewohner_innen wehren sich gegen diese Politik, bisher erfolgreich und dabei werden sie eben auch viele Anwohner_innen unterstützt. Das nehmen Sie vielleicht nur nicht wahr, weil Sie sich nicht in diesen Kreisen bewegen.

Genau so wie den Menschen in Wilhelmsburg ein Recht auf ihren deutschtypischen Gartenbausiedlungspatriotismus eingeräumt wird, sollte auch Zomia die Möglichkeit zur Entfaltung nicht verwehrt werden. Nicht durch die Politik, sondern durch die Gesellschaft. Es ist eine andere Art der Entfaltung, gegen die Sie nicht wettern sollten, sondern die Sie verstehen lernen könnten, wenn Sie sich darauf einlassen würden. Aber Sie haben statt Liebe, Frieden und einer schönen Welt nur ihren "Steuerbeutel" im Kopf.

Die Ziele von Zomia sind etwas schönes - Ihre Ziele sind die Abwehr von etwas vermeindlich Bösem, solch ein negatives Weltbild gehört in die "Steinzeit". Wir kämpfen hier nämlich nicht mit Keulen gegen Dinosaurier, sondern stehen im öffentlichen Dialog und Diskurs. Wehrt Euch gegen den Zwang durch die Politik und nicht gegen Menschen, die sich bereits dagegen auflehnen!

Vielleicht sollten Sie gemeinsam mit den Bewohner_innen von Zomia gegen den unnötigen Zollzaun kämpfen und damit Wilhelmsburg für alle schöner gestalten! Oder Blumen pflanzen in den ganzen Verkehrsinseln und zwischen den Parklücken an der Straße oder der Saga deutlich zu machen, dass es hier immer wieder große Probleme mit Müllbergen gibt, weil schlicht weg zu wenig Abfallbehälter bereit stehen und der Müll nicht getrennt werden kann. Ich wäre dabei, Liebe statt Hass, über den ärgerte ich mich nämlich, als ich gerade Ihre Leserbriefe las.
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9 Kommentare
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Jochen Elter aus Wilhelmsburg | 06.10.2011 | 15:15  
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 07.10.2011 | 16:13  
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Jochen Elter aus Wilhelmsburg | 07.10.2011 | 20:46  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 04.11.2011 | 10:39  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 06.11.2011 | 12:30  
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 07.11.2011 | 12:17  
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 07.11.2011 | 12:26  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 07.11.2011 | 14:06  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 07.11.2011 | 14:10  
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