Straßenstrich in Georgswerder?

Käufliche Liebe: In der Kirchdorfer Straße sollen sich neuerdings junge Frauen anbieten. Foto: pr

In der Kirchdorfer Straße bieten sich angeblich junge Frauen an – Polizei und Bezirksamt sind die Hände gebunden

von Christopher v. Savigny

Etwas komisch kam es Martin Büttner* vor, als ihn die Dame an der Bushaltestelle „Wilhelmsburger Mühle“ in der Kirchdorfer Straße ansprach: „Wollen wir spazieren gehen?“, fragte die junge Frau mit den dunklen, lockigen Haaren. Büttner, Anwohner aus Georgswerder, schlug das Angebot aus und ging verwundert seiner Wege.
Nur wenig später der zweite Versuch: Diesmal setzte sich die Unbekannte direkt zu Büttner ins Fahrzeug – und wurde gleich ziemlich direkt. „Lass uns ein bisschen Spaß haben“, flötete sie. „Nicht teuer, nicht teuer.“ Der Angesprochene warf die ungebetene Beifahrerin kurzerhand hinaus. „So etwa habe ich hier noch nicht erlebt“, empört er sich.
Georgswerder – der neue Straßenstrich Hamburgs? Offenbar bieten in letzter Zeit gewisse Damen in der Gegend ihre Dienste an – ob mit Erfolg, ist nicht bekannt. Mindestens ein weiterer Passant wurde auf die gleiche Weise angesprochen: „Schon verwunderlich, das hier so etwas passiert“, sagt Uwe Reihe, Besitzer eines Lottoladens in der Kirchdorfer Straße. Die Frauen – wie viele dort unterwegs sind, weiß keiner – werden auf 20 bis 25 Jahre geschätzt und kommen möglicherweise aus Osteuropa.
Prostitution ist in Hamburg nicht verboten. Nur für sogenannte Sperrgebiete wie etwa die Davidstraße auf St. Pauli gelten besondere Regelungen: Dort dürfen Huren erst ab 20 Uhr ihrem Gewerbe nachgehen. Dem Bezirksamt sind in jedem Fall die Hände gebunden. „Das ist Landesgesetzgebung, damit haben wir nichts zu tun“, sagt Lars Schmidt-von Koss, Sprecher des Bezirksamts Mitte. Nur bei Bordellen kann die Verwaltung Einfluss nehmen: Zuletzt hatten ansässige Betriebe gegen ein entsprechendes Etablissement an Wandsbek geklagt – das Verwaltungsgericht hatte dem Betreiber jedoch Recht gegeben.
Auch im Fall Georgswerder kann die Polizei nur dann tätig werden, wenn sich jemand ernsthaft belästigt fühlt. „Bislang haben wir keine Hinweise auf Prostitution bekommen“, sagt Stabsleiter Wolfgang Keller vom Kommissariat in der Georg-Wilhelm-Straße. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.
* Name geändert
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2 Kommentare
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harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 06.05.2012 | 01:57  
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Torben Meier aus Harburg | 17.03.2013 | 10:05  
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