Stiche mit Schraubenzieher

Fatmir H. muss sich vor dem Harburger Amtsgericht wegen schwerer Körperverletzung verantworten. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahren Haft.

Brutaler Angriff in Veddeler Autowerkstatt, mutmaßlicher Täter plädiert auf Notwehr

Brutaler Angriff in einer Auto-Selbsthilfewerkstatt auf der Veddel: Am 25. Februar 2013 soll Fatmir H. den Inhaber Ali B. mit zwei noch unbekannten Männern überfallen und schwer verletzt haben. Zuerst bekam das 51-jährige Opfer einen Tritt in den Rücken. Als der Türke in die Knie ging, stach H. elf Mal mit einem Schraubenzieher auf seinen Kopf ein und schrie „Ich bringe dich um!“. Dafür muss sich der Kosovo-Albaner, der keine Aufenthaltsgenehmigung hat und seit April in Untersuchungshaft sitzt, jetzt vor dem Harburger Amtsgericht verantworten. Anklage: gefährliche Körperverletzung.
Seine Hilfsbereitschaft habe ihn ins Krankenhaus gebracht, berichtet Ali B. (56) vor Gericht. Um einem Bekannten einen Gefallen zu tun, habe er Fatmir H. in einem Zimmer über seiner Veddeler Autowerkstatt kostenlos wohnen lassen. Nach fünf Monaten hätte er genug gehabt. „Ich habe ihm gesagt, ich habe dir so viel geholfen. Du sollst deine Sachen nehmen und weggehen“, erzählt B. Der 24-Jährige sei wütend gegangen und daraufhin mit zwei Männern wiederge-kommen.
Während Ali B. schildert, wie es zu der blutigen Auseinandersetzung kam, sitzt Fatmir H. neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank, gähnt, blättert in Unterlagen und plaudert mit der Dolmetscherin. Auch als Ali B. von seinen Verletzungen berichtet und davon, dass er noch immer Schmerzen am Kopf und Rücken hat, wirkt der mutmaßliche Täter ungerührt.
Dann lässt er seinen Anwalt eine Erklärung vorlesen, der zufolge alles ganz anders gewesen ist. Ja, er habe bei Ali B. gewohnt – aber bereits seit zwei Jahren und und für eine monatliche Miete von 250 Euro. Der Automechaniker würde öfter an Leute ohne Papiere vermieten. Als er ausziehen wollte, habe sein Vermieter drei Monatsmieten gefordert und sei mit dem Schraubenzieher auf ihn losgegangen. Um sich zu wehren, habe er ihm den Schraubenzieher weggenommen und selbst zugestochen. Der Prozess wird fortgesetzt.
Im Gerichtssaal sorgte eine Gruppe von etwa zehn muskulösen Männern, die Bomberjacken mit der Aufschrift „Original Gangster Brotherhood“ trugen, für Irritationen. Die Gruppe, deren Symbol eine Faust ist, die einen Revolver umklammert, wurde in den 90er Jahren von Häftlingen in einem Hamburger Untersuchungsgefängnis gegründet. Auf Nachfrage des Gerichts gaben die Männer an, Freunde von Ali B. zu sein.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.