Sterben wird immer teurer

Wegweiser zum Urnenfriedhof: Weil heutzutage immer mehr Menschen ihre verstorbenen Angehörigen verbrennen lassen, sehen sich Friedhöfe gezwungen, ihre Kosten zu erhöhen. Foto: cvs

Kosten für Bestattungen stark angestiegen

Von Christopher von Savigny.
Für die Beerdigung eines Verstorbenen müssen Angehörige heutzutage tief in die Tasche greifen: 775 Euro kostet auf Wilhelmsburgs städtischen Friedhöfen Amtshof und Finkenriek beispielsweise eine Erdbestattung. Immerhin noch 240 Euro sind für eine Urnenbeisetzung zu entrichten.
Happig nehmen sich auch die Preise für die Grabmiete aus – üblich ist hier ein Zeitraum von 25 Jahren: So zahlt man laut bezirklicher Gebührenordnung zwischen 1.100 und 1.475 Euro für ein Sarggrab, 890 bis 1.200 Euro kostet ein Urnengrab. Etwas günstiger sieht es – meis-tens – bei den konfessionellen Gottesackern aus: Auf dem Friedhof Kirchdorf sind für eine Erdbestattung lediglich zwischen 673,50 und 748 Euro zu zahlen, die Urnenbeisetzung dagegen ist mit 248 bis 298,50 Euro etwas teurer als bei der städtischen Konkurrenz.
Insbesondere die städtischen Preise stoßen Elbe-Wochenblatt-Leser Gerd Plambeck sauer auf. „Die Kosten für Bestattungen sind in den letzten Jahren explodiert“, sagt der Rentner. Selbst bei einem bescheidenen traditionellen Begräbnis müsse man heutzutage insgesamt mit Kosten von etwa 5.000 Euro rechnen. „Diesen Betrag aufzubringen, fällt einem Rentnerhaushalt außerordentlich schwer.“
Bei einem Preisvergleich hat Plambeck deutliche Steigerungen festgestellt. So seien die Kosten für eine Urnenbeisetzung innerhalb der letzten zwölf Jahre um 74 Prozent angestiegen, die Nutzungsgebühr (Grabmiete) für ein Urnengrab sogar um 224 Prozent. Die bundesweite Verbraucherinitiative für Bestattungskultur „Aeternitas“ spricht von einem „dramatischen Wandel“: „1960 gab es in Westdeutschland etwa zehn Prozent Feuerbestattungen“, sagt Pressesprecher Alexander Helbach.
Bis heute sei der Anteil auf 60 Prozent angestiegen. „Urnengräber brauchen jedoch deutlich weniger Platz als Sarggräber und bringen weitaus weniger Gebühreneinnahmen. So dreht sich die Gebührenspirale immer weiter.“
Für Angehörige gestaltet sich ein Preisvergleich meist kompliziert, da die Friedhofsgebühren in der Regel unterschiedliche Leistungen beinhalten. Unter anderem muss man sich zwischen einem Wahl- und einem Reihengrab entscheiden. Auch eine etwaige Kapellennutzung und die Art der Grabpflege müssen geklärt werden.

Hintergrund
Im Jahr 2015 gab es in Hamburg auf städtischen Friedhöfen 10.240 Beisetzungen (2006: 10.332). „Urnenbeisetzungen haben zugenommen, weil die Kosten für die Einäscherung und die Überlassungsgebühren in der Regel niedriger sind als bei Sargbeisetzungen und verschiedene Bestattungsformen die Feuerbestattung voraussetzen – zum Beispiel die anonyme Bestattung auf dem Ohlsdorfer Friedhof und den Friedhöfen in bezirklicher Trägerschaft, die baumbezogenen Bestattungen auf den Friedhöfen Ohlsdorf und Öjendorf, die Kolumbarien in Ohlsdorf und Altona sowie die Seebeisetzungen. Außerdem weist der Trend zur Feuerbestattung eine seit Jahrzehnten andauernde Kontinuität auf“, sagt Lutz Rehkopf (Landesbetrieb Hamburger Friedhöfe).
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1 Kommentar
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Bernhard von Glahn aus Neu Wulmstorf | 26.04.2016 | 23:22  
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