Steile S-Bahn-Brücke ist legal – und bleibt

S-Bahnhof Wilhelmsburg: Kein Aufzug und eine steile Behelfstreppe – Eltern müssen Kinderwagen mühselig hoch schleppen. Rollstuhlfahrer haben hier keine Chance, sie müssen den Umweg über den S-Bahnhof Veddel nehmen. (Foto: rs)

Bürger müssen sich mit Provisorium abfinden – bis Ende 2012

Planungsfehler oder Schildbürgerstreich? Wer die hölzerne Behelfsbrücke zum S-Bahnhof Wilhelmsburg erklimmen will, muss gut zu Fuß sein – und eventuell noch schwindelfrei. Eltern mit Kinderwagen haben es im wahrsten Sinne des Wortes schwer, das Gefährt über die steilen Treppen zu schleppen. Für Rollstuhlfahrer stellt die Brücke ein unüberbares Hindernis dar – ihnen bleibt nur der Umweg über den S-Bahnhof Veddel.
Während HVV-Gäste über die steile Treppe stöhnen, wird das Thema in den Gremien hin- und hergewälzt. Die Treppe sei zwar sehr steil, räumen die beteiligten Behörden ein, aber rechtlich bewege sich alles im Rahmen. „Die Baumaßnahme wurde durch unsere Bauaufsichtsbehörde – in diesem Fall das Eisenbahnbundesamt – abgenommen“ versichert Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Der Auftrag zum Bau der Brücke kommt wiederum vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), erklärt Mitarbeiterin Käthe Fromm. Damit ist die Hansestadt Auftraggeber des Bauwerks.
Rechtlich scheint also alles in Ordnung zu sein, doch politisch hat der Bau der Behelfsbrücke noch ein Nachspiel. So brachte Die Linke das Thema in den Sanierungsausschuss S6 ein, der kürzlich am Berta-Kröger-Platz tagte. LSBG-Mitarbeiter Stefan Eschweiler hielt hier einen Vortrag über den Bau. Sein Fazit immerhin: „Ich räume ein, dass es tatsächlich eine steile Treppe ist.“ Doch rechtlich sei daran nicht zu rütteln und auch nichts mehr zu ändern. Erst Ende 2012 sei mit der Fertigstellung der neuen Brücke zu rechnen.
Von der Linken kommen indes Vorwürfe gegen SPD und CDU. „Wir hatten das Thema drei Mal im Regionalausschuss auf die Tagesordnung gesetzt und wurden jedes Mal von SPD und CDU abgeblockt“, schimpft Manfred Schubert, Sprecher der Linken. Anja Keuchel (SPD) kontert: „Die Linke hatte im Sommer beantragt, die Verwaltung möge noch mal eine Prüfung ansetzen. Wir schätzen das aber so ein, dass die Brücke legal ist. Damit sagen wir aber nicht, dass wir die Brücke toll finden.“ Ziel sei es gewesen, der Verwaltung unnötige Arbeit zu ersparen.
Das ist geglückt, allerdings hilft es den Anwohnern wenig.
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2 Kommentare
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Klaus Lübke aus Veddel | 22.09.2011 | 08:15  
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Eva Maria Schnoor aus Wilhelmsburg | 16.10.2011 | 15:17  
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