Stadt will 90 Kleingärten für Reichsstraße platt machen

Ute (2.v.r.) und Reinhard Hoffmann (l.) sowie Hannelore Gfattinger (r.) verlieren ihre Schrebergärten. Ronald Wilken (2.v.l.) vom Ortsverband Wilhelmsburg/Veddel der Partei Die Linke unterstützt die Laubenpieper. Er musste seinen Schrebergarten vor Jahren für die Internationale Gartenschau räumen.
 
Insgesamt fallen rund 34.270 Quadratmeter Fläche des Kleingartenvereins Süderelbe der Anschlussstelle Kornweide zum Opfer (grüne Fläche). Rund die Hälfte der 141 Parzellen des Vereins Süderelbe bleibt bestehen. Diese Kleingärtner werden ihre Radieschen aber demnächst neben einer Großbaustelle züchten müssen. (Foto: Grafik: Landesbetrieb Immobilienmanagement)

Wilhelmsburger Gartenfreunde sollen ihre Parzellen zum 31. November räumen

Dass die Tage ihres Kleingartens gezählt sind, weiß Hannelore Gfattinger schon lange. Denn dort, wo ihre Laube steht, soll nach Plänen des Senats die neue Anschlussstelle Kornweide für die Wilhelmsburger Reichsstraße verlaufen. Als sie vor ein paar Wochen die Kündigung der Pacht zum 31. November bekam, war die Kleingärtnerin dennoch erstaunt. „Wir werden mit einer blöden Kündigung von Haus und Hof gejagt. Dabei gibt es fünf Klagen und damit noch kein rechtskräftiges Urteil über die Verlegung der Reichsstraße“, sagt Gfattinger wütend.
Insgesamt müssen 90 Gartenfreunde ihre Lauben bis Ende November räumen. Mit 71 Mitgliedern ist der Kleingartenverein Süderelbe e.V. am Stärksten betroffen. Der Verein Op Schulzens Eck e.V. verliert sein Vereinshaus und 19 Parzellen. Nicht alle Kleingärtner fügen sich ihrem Schicksal widerspruchslos: 33 Laubenpieper wollen gegen die Kündigung klagen. Sie fordern zudem eine Abfindung für ihre Gärten, um an anderer Stelle neu anfangen zu können. Rein rechtlich steht ihnen lediglich eine Entschädigung zu – der Wert
ihrer Laube und des Pflanzenbestandes wird geschätzt. „Ich rechne mit höchstens 1.200 Euro. Das reicht nicht, um neu anzufangen. Eine neue Laube kostet 10.000 Euro“, sagt Reinhard Hoffmann, der seinen Garten seit 31 Jahren hegt und pflegt.
Doch warum müssen die Kleingärtner ihre Parzellen aufgeben, obwohl laut Oberverwaltungsgericht noch nicht absehbar ist, wann über die fünf Klagen gegen die Verlegung der Reichsstraße entschieden wird? „Wir betreiben alle vorbereitenden Maßnahmen unabhängig vom Klageverfahren. Wir gehen davon aus, dass wir gewinnen werden“, sagt Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, die die städtischen Kleingartenflächen an den Landesbund der Gartenfreunde in Hamburg verpachtet. Eine Vollziehungsanordnung der Planfeststellungsbehörde vom 31. Januar erlaubt der Stadt, trotz der Klagen mit den Bauarbeiten zu beginnen. „Den Kleingärtnern ist regulär und fristgerecht gekündigt worden. Sie sind Pächter und nicht Eigentümer“, so Stricker weiter. Jeder Kleingärtner soll jedoch einen Ersatzgarten erhalten.
Nach Angaben der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation wird unmittelbar nach dem 30. November mit der Räumung des Geländes begonnen. Ab Frühjahr 2015 sollen bereits die Bagger rollen.


Das sagt der Landesbund der Gartenfreunde:
Der Landesbund der Gartenfreunde in Hamburg will sich dafür einsetzen, dass alle Gekündigten einen Ersatzgarten auf der Elbinsel, am besten in unmittelbarer Umgebung bekommen. „Das ist gar nicht so einfach, denn der Kampf um Flächen ist erbittet in Hamburg“, sagt Dirk Sielmann, Vorsitzender des Landesbundes der Gartenfreunde. Man konkurriere mit dem Wohnungsbau, und auch das Gewerbe beanspruche Flächen. Einige Ersatzgärten sind jedoch bereits in Arbeit: Die gekündigten Wilhelmsburger Gartenfreunde können sich für 60 neue Parzellen bewerben, die zurzeit auf dem Gelände des Inselparks entstehen. Zudem gibt es weitere 50 neue Gärten auf sanierten Flächen in Niedergeorgswerder. Räumungsbetroffene werden ein Vorrecht auf diese Parzellen haben, so Sielmann. Alle neuen Gärten werden über Wasserleitungen verfügen, auf den Anlagen wird es bereits Wege geben. „So dass man gleich mit der Gärtnerei starten kann“, sagt Sielmann. Ein Umzug sei dennoch ein harter Schlag für die Kleingärtner. „Ein Garten braucht zehn Jahre bis er einigermaßen eingewachsen ist“, so der Vorsitzende des Landesbundes. Viel Hoffnung auf eine Abfindung macht Sielmann den Kleingärtnern nicht. Die würde es nur in Ausnahmefällen geben.
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1 Kommentar
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Andreas Grünwald aus Wilhelmsburg | 26.03.2014 | 01:39  
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