Spiegelverkehrte Bilder

Schwarzweißkunst: In Graalmanns Atelier steht eine riesige, 5.000 Euro teure Druckerpresse. Foto: cvs

Radierkünstlerin Katrin Graalmann liebt die rauhe Hafenatmosphäre

von Christoher v. Savigny

Radieren ist eine Technik, bei der man selten weiß, wie das Ergebnis aussehen wird. „Ich bin selbst manchmal überrascht“, sagt Katrin Graalmann (38), Künstlerin und Illustratorin, die ihr Atelier im Künstlerhaus Georgswerder hat. Zum Beispiel muss man sich daran gewöhnen, dass das Endprodukt immer spiegelverkehrt zum Original ist. Das führt nicht selten zu Irritationen. „Mir haben die Leute schon gesagt: Der Hafen sieht an der Stelle ganz anders aus. Oder: Die Rickmer Rickmers liegt ja falsch herum!“, berichtet Graalmann amüsiert. Ihr selbst sind solche Dinge nicht so wichtig, solange der Gesamteindruck stimmt.
Graalmanns Lieblingsthemen sind der Hafen und alte Indus-trieanlagen. „Ich bin im Ruhrpott groß geworden“, begründet sie. Ihre Motive ritzt die Künstlerin mit einer Nadel in dünne Zink- oder Kupferplatten. Diese werden anschließend in ein Säurebad gelegt, um die Furchen zu vertiefen. Der Grad der Verätzung lässt sich beeinflussen, indem man einzelne Linien mit Lack abdeckt. An diesen Stellen ist die Färbung am Ende nicht so stark.
Ist die Säurebehandlung abgeschlossen, wird die Druckplatte mit einer kräftigen Pigmentfarbe bestrichen und zusammen mit einem Bogen Büttenpapier durch die Walzenpresse geschickt – fertig! Mithilfe von verschiedenen Farben und Farbkombinationen lassen sich nun diverse Exemplare herstellen. Wobei Graalmann die Farbe Schwarz bevorzugt. „Ich finde die grafische Wirkung am stärksten“, sagt sie. „Schwarz hat 'ne Menge Power!“
Dass die Künstlerin eigentlich Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg studiert hat, merkt man ihrem zweiten Themengebiet „Traumbilder“ an. Dort kommen allerlei Kobolde und andere Märchenwesen vor. Ein Teil ist in Buchform erschienen – in geringer Eigenauflage. Aktuell hat Graalmann einen Lehrauftrag an der HAW bekommen. Ein willkommenes Zubrot, denn: „Allein vom Bildverkauf kann man nicht leben“, so die Künstlerin. Im Künstlerhaus Georgswerder arbeiten derzeit drei Kreative. Ab 2013, wenn die Schule Rahmwerder Straße ausgezogen ist, sollen sechs weitere hinzukommen.
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