Sozialberater muss gehen

Demo gegen Sozialabbau: Auch der Wilhelmsburger Dursun Öztürk (r.) ging auf die Straße. (Foto: cvs)

Stelle beim Allgemeinen Sozialen Dienst gestrichen – Wilhelmsburger protestieren

von Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg
Demo gegen Schließung: Am Montag haben vor dem Wilhelmsburger Rathaus rund 80 vorwiegend ältere Anwohner gegen die Streichung der Beratungsstelle des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) protestiert. „Schluss mit Ausgrenzung, Diskriminierung und Benachteiligung hilfebedürftiger Menschen“ hieß es unter anderem auf den Schildern, die die Teilnehmer hochhielten. „Ich wohne seit 42 Jahren in Wilhelmsburg“, sagte Dursun Öztürk (68). „Die Beratungsstelle war uns immer eine große Hilfe. Wir möchten sie unbedingt zurückhaben!“
Die Sozialberatungsstelle im Wilhelmsburger Rathaus war vom Bezirksamt Mitte zum 28. Oktober ohne Angabe von Gründen ersatzlos gestrichen worden. Der allseits beliebte Behördenmitarbeiter Hasan Cinar hatte dort Hilfe bei Problemen mit Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und mit der Familie angeboten. Die dem Jugendamt zugeordnete Stelle hatte rund 18 Stunden pro Woche geöffnet, zusätzlich gab es Termine nach Vereinbarung. Vorwiegend ältere Migranten hatten das Angebot wahrgenommen. Ab sofort bleibt das Büro im Wilhelmsburger Rathaus geschlossen, Berater Cinar wurde an eine andere Stelle versetzt.
Hintergrund für die Streichung sind Sparmaßnahmen des Bezirksamts: „Im Rahmen der im laufenden Jahr geführten Debatte über Konsolidierungsoptionen hat das Jugendamt auf Anfrage des Fachamtes Ressourcensteuerung festgestellt, auf diese Stelle verzichten zu können“, erklärt Norman Cordes, Sprecher des Bezirksamts Mitte. Sozialpolitisch werde dies für vertretbar gehalten, da es in der Region Wilhelmsburg für den Bereich Jugend und Familie ausreichend Beratungsmöglichkeiten gebe. Die kürzlich gegründete „Initiative gegen Sozialabbau in Wilhelmsburg“, die jetzt auch zur Kundgebung eingeladen hatte, widerspricht dieser Darstellung. „Alle anderen Beratungsstellen sind hoffnungslos überlaufen“, sagt Ali Yüce, einer der Initiatoren. Insbesondere für ältere Ausländer mit Deutschproblemen sei die Schließung eine Katastrophe. „Sie haben keinen mehr, der ihnen bei Behördengängen und mit dem Ausfüllen von Formularen hilft“, so Yüce, der selbst als Berater bei der Gesellschaft für Bildung und Integration (BI) in der Rudolfstraße tätig ist. Die Initiative hat eine Unterschriftenaktion für den Erhalt der Beraterstelle gestartet, knapp 1.000 haben nach Angaben der Veranstalter schon unterschrieben.
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