Soulkitchenhalle: Räumung verschoben

Nico Glagow (l.) und Matthias Lintl möchten die Soulkitchenhalle als Veranstaltungszentrum erhalten. So lange sie nicht in die Halle hineinkommen, nutzen sie das Grundstück nebenan.

6.400 Unterschriften sollen Abriss der maroden Halle verhindern

von Sabine Langner

Zeit und Zugang, das hatten sich die Betreiber der Soulkitchenhalle in den letzten Wochen am dringendsten gewünscht. Der Zutritt zum maroden Gebäude bleibt zwar weiterhin verboten, doch zumindest etwas Zeit haben die Initiatoren gewonnen: In letzter Minute konnte die Räumung der Halle und des umliegenden Geländes gestoppt werden.
Seit drei Jahren betreibt eine Hand voll junger Leute die gut 100 Jahre alte Fabrikhalle, die durch den Film „Soulkitchen“ von Fatih Akin berühmt wurde, als Veranstaltungszentrum für Kinoabende, Theaterprojekte und Partys. Als die Halle im Juni wegen Baufälligkeit geschlossen wurde, wurden die Veranstaltungen einfach nach draußen verlagert, ins „Exil“. Dann die Hiobsbotschaft: Bis Ende August sollte plötzlich nicht nur die Halle, sondern das komplette Gelände geräumt werden. „Aber wir kommen in die Halle gar nicht rein, um sie leer zu räumen, weil die Türen zugeschweißt sind“, erklärt Betreiber Matthias Lintl. Die Plattensammlung, das Werkzeug und die gesamte Technik befänden sich noch in der Halle.
Um die Räumung aufzuschieben und den Abriss zu verhindern, sammelten Lintl und Unterstützer in wenigen Tagen 6.400 Unterschriften. Die Liste einschließlich rund 50 Seiten Kommentare übergaben sie dem Eingabeausschuss der Bürgerschaft. In einem Gespräch mit einem Vertreter der städtischen Sprinkenhof AG, die die Halle verwaltet, wurde dem Soulkitchen-Team jetzt zugesagt, dass die Räumung erst mal aufgeschoben sei. Das Gelände dürfe noch bis Ende September genutzt werden.
Doch die Finanzbehörde, Eigentümer von Halle und Grundstück, gibt der frohen Botschaft sogleich einen Dämpfer: „Dieser Aufschub betrifft ausschließlich die Nutzung der Freifläche“, stellt Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, klar. „Ansonsten ist alles gesagt.“
Damit baumelt die Abrissbirne weiterhin über der Soulkitchenhalle in der Industriestraße. Die Betreiber hoffen nun auf eine politische Lösung. Lintl: „Wir sehen ja grundsätzlich auch, dass die Halle erhebliche Mängel hat, aber wir würden sehr gern eigene Architekten, Statiker und Designer einladen, das Gebäude zu begutachten.“ Man wolle noch nicht einmal Geld von der Stadt, und es gebe jede Menge Ideen, ergänzt Nico Glagow. „Wir brauchen nur Zeit und Zugang.“
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