Soulkitchenhalle dicht gemacht

Soulkitchenhallen-Chef Mathias Lintl hat die Armel hochgekrempelt und hofft: „Wir denken, den Großteil der Mängel binnen zwei Wochen beheben zu können.“ (Foto: rs)
 
Bezirksamtsleiter Andy Grote: „Wenn die Sicherheitsthemen gelöst werden, wird die Halle wieder geöffnet.“ (Foto: cvs)

Bezirksamt: fehlende Fluchtwege, kein Brandschutz – Betreiber wollen binnen zwei Wochen alle Mängel beheben

Das hatten sich die Macher der Soulkitchenhalle anders vorgestellt: Für Montag hatten sie zum Fernsehabend eingeladen, in der ARD lief der Film „Soul Kitchen“ aus dem Jahr 2009, der die marode Halle in der Industriestraße berühmt gemacht hat. In den letzten drei Jahren hat sich die Bruchbude zum florierenden, nicht kommerziellen Veranstaltungszentrum der Off-Kultur gemausert. Damit ist jetzt Schluss: Wegen Sicherheitsmängeln hat das Bezirksamt Mitte den Laden dichtgemacht.
Bereits vor einem Jahr war die Halle in die Schlagzeilen geraten.Damals hatte die Finanzbehörde, die das Objekt verwaltet, angekündigt, das Zentrum abzureißen. Im Stadtteil regte sich Widerstand, es gab einen Aufschub – der jetzt allerdings vorzeitig beendet wurde. Ist die Schließung der erste Schritt zum geplanten Abriss?
„Nein, das nicht“, stellt Bezirksamtsleiter Andy Grote klar. Das Bezirksamt unterstütze die Päne, das Kulturzentrum weiterzubetreiben, dennoch müsse die Halle vorerst geschlossen bleiben. „Es gibt schwerwiegende Sicherheitsbedenken“, erläutert Grote. Fluchtwege seien kaum vorhanden, der Brandschutz nicht gewährleis-tet. „Überall hängt Kabelage rum, in jeder Ecke steht Zeug herum, das ist alles leicht entflammbar.“
Die Mängel sind den Betreibern lange bekannt, doch für eine Renovierung fehlt es an Geld. Die niedrigen Eintrittspreise deckten gerade mal die laufenden Kosten, und obwohl die Veranstaltungen gut ankommen und die Halle boomt, bliebe finanziell kaum etwas übrig, so Betreiber Mathias Lintl.
Die gravierendsten Sicherheitsmängel könnte das Soulkitchen-Team allerdings auch ohne viel Geld erledigen: indem Überflüssiges zum Sperrmüll gebracht und die komplette Halle beispielsweise mit Baustrom versorgt würde. „Wenn die Sicherheitsthemen gelöst werden, wird die Halle wieder geöffnet“, versichert Bezirksamtsleiter Grote.
Hallen-Chef Mathias Lintl scheint die Botschaft verstanden zu haben: „Wie es weitergeht? Ärmel hochkrempeln, viel rumräumen und Elektroinstallation auf Trab bringen“, so Lintl. „Wir denken, den Großteil der Mängel binnen zwei Wochen beheben zu können.“

HPA und Finanzbehörde haben das letzte Wort
Die alte Lagerhalle in der Industriestraße 101, die seit Fatih Akins Spielfilm „Soulkitchenhalle“ heißt, steht seit Jahren auf der Abbruchliste. Angeblich, weil der Boden der Halle mit Schwermetallen verunreinigt ist. Mit dem Eigentümer, der städtischen Sprinkenhof AG, besteht ein befristeter Überlassungsvertrag, rund 600 Euro sind monatlich fällig. Für die dringend notwendige Renovierung fehlt den Betreibern nach eigenen Angaben das Geld.
Als die Finanzbehörde die Halle vor einem Jahr abreißen lassen wollte, gab es zahlreiche Proteste, die letztendlich zu einem Aufschub führten. Die Kulturbehörde trat in Verhandlungen mit der Finanzbehörde um den Erhalt der Halle, bis heute ohne Ergebnis. Auch der Bezirk Mitte unterstützt die Bemühungen, die Soulkitchenhalle weiterzubetreiben. Starke Fürsprecher haben die Betreiber außerdem in der internationalen Bauausstellung (IBA) gefunden, die die Halle zeitweilig für Veranstaltungen genutzt hat.
Ob Abriss oder nicht - das letzte Wort haben Finanzbehörde und Hamburg Port Authority (HPA), die entscheiden müssen, ob die Fläche für Hafenlogistik gebraucht wird.
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