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Fahrradreparatur für günstiges Geld: Jutta Agyemang mit Mitarbeiter Ronald Behrens. Foto: cvs

Langzeitarbeitslose übernehmen Projekt „Elbinselrad“

Von Ch. v. Savigny.
Die Fahrradwerkstatt „Elbinselrad" blickt nach vorne: Nachdem die Einrichtung im Reinstorffweg vor wenigen Monaten noch kurz vor der Auflösung stand, haben sich jetzt drei der Mitarbeiter – alles ehemalige Langzeitarbeitslose – zusammengetan, um das Projekt in Eigenregie fortzuführen. Seit Anfang Februar ist die Werkstatt offiziell als Gewerbebetrieb angemeldet. „Wir verdienen zurzeit noch nicht viel, aber was die Auftragslage angeht, sieht es gar nicht schlecht aus", sagt die neue Geschäftsführerin Jutta Agyemang.
Das „Elbinselrad" hat eine lange Geschichte: Erstmals Mitte der 1980er-Jahre hatte die Arbeitslosenhilfe Wilhelmsburg (AIW) eine Fahrradwerkstatt mit Selbsthilfe ins Leben gerufen, in der ausschließlich beschäftigungslose Menschen mitarbeiteten. Weitere Filialen im Hamburger Süden entstanden. Aus finanziellen Gründen waren vor vier Jahren die drei Werkstätten auf der Veddel, in Hausbruch und in Wilhelmsburg am Reinstorffweg zusammengelegt worden. Als Träger fungierte die Hamburger Arbeitsgenossenschaft eG, die sich Anfang des Jahres auflösen musste, weil sie sich mit dem Handel von E-Bikes verkalkuliert hatte.
Jetzt muss das „Elbinselrad" erstmal ordentlich ranklotzen. „Wir haben Schulden aufgenommen, um Materialien wie Schläuche und Mäntel kaufen zu können", sagt Agyemang. Auch das Inventar habe einiges gekostet. Viele Teile wie etwa Gebrauchträder bekommt die Werkstatt dafür gespendet.

„Wir wissen, dass wir
gebraucht werden“

Zu den Kunden zählen etliche Studenten, die sich ihre Drahtesel vor Ort für wenig Geld wieder flottmachen lassen. Geplant ist außerdem, ein günstiges Neu-Fahrrad anzubieten, das den Schriftzug „Elbinselrad" tragen soll. Die Ex-Arbeitslosen haben diverse Fortbildungen als Fahrradmechaniker absolviert. Größere Reparaturen wie Rahmen schweißen sind allerdings nicht möglich, da die Werkstatt nicht als Meisterbetrieb zertifiziert ist. Nichtsdestotrotz sind die Betreiber guter Dinge: „Wir sind optimistisch, weil wir wissen, dass wir gebraucht werden", sagt Agyemang.
Unterstützung kommt auch von Hildebrand Henatsch, AIW-Vorstandsmitglied und ehemaliger Vorsitzender der aufgelösten Genossenschaft: „Die Entschlossenheit von Frau Agyemang hat mir imponiert“, sagt er. „Die drei haben sich ihre Arbeitsplätze selbst geschaffen – das halte ich für besonders wichtig!“
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