Seit 40 Jahren Hilfe für Eltern

Erst spielen, dann singen: Elisabeth Bauchstadt (l.) besucht regelmäßig mit Enkelkind Paul (20 Monate) den Kurs „Gedichte für Wichte“ im Inselcafé. „Das ist gut für Pauls Sozialverhalten“, sagt sie. Tagesmutter Gisela Röck kommt mit der dreijährigen Madita. „Die Elternschule ist immens wichtig, besonders für funge Mütter, die hier Kontakt zu anderen bekommen“, findet sie.
 
„Der Bedarf im Stadtteil ist sehr groß. Wilhelmsburg war immer einer der kinderreichsten Stadtteile in Hamburg“, sagt Magdalene Baus (l.). Sie leitet die Elternschule gemeinsam mit Birgit Trosien.

Elternschule Wilhelmsburg/Veddel wurde 1974 eröffnet

Eine große Feier zum 40. Geburtstag ist nicht geplant. Dafür fehle der Elternschule Wilhelmsburg die Zeit und das Geld, erklärt Magdalene Baus. „Aber wir haben einige kleinere Veranstaltungen unter das Motte ,40 Jahre Elternschule Wilhelmsburg’ gestellt“, sagt sie. Baus leitet die Einrichtung seit 23 Jahren gemeinsam mit Birgit Trosien. Die beiden lieben ihren Job. „Wir sehen ziemlich viel an positiver Auswirkung unserer Arbeit, kriegen mit, wie sich Freundschaften gebildet haben und Eltern sich gegenseitig unterstützen – auch noch nach 20 Jahren. Was wir hier säen geht auf, das ist schön“, sagt Baus.
Auch Trosien freut sich immer wieder über Erfolgserlebnisse. „Eine Frau, die als Kind mit ihrer Mutter hier war, ist jetzt als Inselmutter unterwegs“, erzählt sie. Seit fünf Jahren besuchen die „Inselmütter“ ausländische Familien auf den Elbinseln, um ihnen im Alltag zu helfen. „Wir bilden Frauen mit verschiedenen Muttersprachen aus, damit sie Frauen in ihrer Community unterstützen können“, erzählt Trosien, die das Projekt betreut. Allein im vergangenen Jahr begleiteten die Inselmütter 250 Familien. Mit dem Projekt und Angeboten für türkische, arabische und afrikanische Eltern reagiert die Elternschule seit vielen Jahren auf Veränderungen im Stadtteil. „Es gibt jetzt viel mehr migrantische Bewohner“, sagt Baus.
Auch die Sozialberatung werde immer wichtiger. „Es kommen mehr arme Menschen. Das ist Realität hier im Stadtteil“, sagt Trosien. Deshalb gibt es in der Elternschule nicht nur Erziehungstipps, sondern auch Auskunft darüber, wo sich Tafel und Kleiderkammer befinden. Wer von Hartz IV oder Arbeitslosenhilfe lebt, muss keine Kursgebühren bezahlen. „Der Charme ist, dass wir eine Mischung haben. Auch gutsituierte Mütter verzweifeln mit Schrei-
babys, haben Fragen oder freuen sich über Kontakte zu anderen“, erklärt Trosien und fügt stolz hinzu: „Es gelingt uns, die Menschen an einen Tisch zu bringen.“ Auch räumlich hat sich die Elternschule seit ihrer Gründung stark verändert. Vor 17 Jahren wurde die Fläche in der Zeidlerstraße 75 mit einem Anbau auf 240 Quadratmeter verdoppelt. Dann kam vor eineinhalb Jahren das Inselcafé im neu eröffneten Tor zur Welt als zweiter Standort dazu. Dort können Eltern und alle Besucher des Bildungszentrums Kaffee trinken, Kuchen essen, sich austauschen und informieren sowie Kurse besuchen. „Das Café ist für die gesamte Nachbarschaft geöffnet“, betont Baus.


Elternschule: Zahlen und Fakten
2012: 138 Kurse, offene Treffpunkte, Veranstaltungen, Beratungen, Besucher: 1.400 Erwachsene, 1.477 Kinder
2013: 150 Angebote, Besucher: 1.600 Erwachsene, 1.250 Kinder
Das Inselcafé besuchen im Schnitt 30-75 Personen täglich. Im zweiten Halbjahr 2013 waren es knapp 3.000 Besucher, im ersten Halbjahr 2014 waren es über 4.000.

Die Elternschule hat drei Standorte:
E Zeidlerstraße 75, Tel. 753 46 14
E Inselcafé im Tor zur Welt, Krieterstraße 2 d (Torhaus), Tel. 428 76 41 50
E Veddel: Zweigstelle im Eltern-Kind-Zentrum, Uffelnsweg 1, Tel. 78 56 24
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