„Seelenküche“ brodelt

Mathias Lintl, kreativer Kopf der Soulkitchenhalle, wurde vor der Halle überfallen. Die Spuren sind noch sichtbar. Foto: rs

Soulkitchenhalle soll abgerissen werden – Protest im Stadtteil

von Reinhard SCHWARZ

Mathias Lintl sieht immer noch ramponiert aus. Vor kurzem wurde der Betreiber der Soulkitchenhalle in der Industriestraße brutal überfallen. Unbekannte hatten dem 44-jährigen vor der Halle aufgelauert, nach Geld gefragt und dann sofort zugeschlagen. Sie entkamen mit 200 Euro. Lintl wachte erst im Krankenhaus wieder auf. „Beschaffungskriminalität“, vermutet er. Der in Salzgitter geborene Wilhelmsburger ist kreativer Kopf des Veranstaltungszentrums, das ohne Subventionen auskommt.
Seit 2010 betreibt ein „Kollektiv“ von rund zehn Aktiven dort erfolgreich die „Seelenküche“. So gab es etwa im Juli ein „Festival der unerhörten Musik“, im August eine Veranstaltung namens „Kolchose 1“ mit Elektro-Techno-Musik und dazwischen schon mal eine Verkostung süddeutscher Biere. Kürzlich lud ein Paar zu einer Hochzeitsfeier mit rund 100 Gästen.
Die rund 80 Jahre alte Halle wurde bundesweit bekannt durch den Film „Soul Kitchen“ von Fatih Akin, dem deutsch-türkischen Regisseur aus Altona. Während im Film die Halle ein Frikadellenrestaurant beherbergt und in die Krise schliddert, weil der Koch einen Bandscheibenvorfall erleidet, ist die reale „Soulkitchenhalle“ durch die Begehrlichkeiten der Finanzbehörde gefährdet, die das Objekt verwaltet. Zum Ende des Jahres soll das Zentrum geschlossen, die Halle abgerissen werden. Angeblich, weil der Boden der Halle mit Schwermetallen verunreinigt ist.
Doch im Stadtteil regt sich Widerstand gegen diese Pläne. So erklärte SPD-Politikerin Anja Keuchel: „Ohne Not sollte sich die Stadt nicht einer solchen kreativen Quelle berauben, gerade in einem aufstrebenden Stadtteil wie Wilhelmsburg.“ Ronald Wilken (Die Linke) ist sauer: „Die Soulkitchen gehört einfach nach Wilhelmsburg. Das Programm ist einmalig, es stellt sich die Frage, warum das zerstört werden soll.“
Diese Frage stellen sich wohl auch Entscheidungsträger in der Kulturbehörde. Denn diese führt aktuell Verhandlungen mit der Finanzbehörde um den Erhalt der Halle. Wie es darum bestellt ist, konnte aktuell niemand sagen. „Da wird man nach Lösungen suchen“, erklärte Björn Domroese, Sprecher der Finanzbehörde, recht wolkig. Aus der Kulturbehörde kommt eine ähnlich lautende Mitteilung: Es gebe Gespräche, aber noch kein Ergebnis.
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