Schweigemarsch für Chantal und Lara-Mia

Demonstrierten schweigend: Bianca Freyer, Michael Horn und Anita Lüthje (v. l.) aus Wilhelmsburg. (Foto: cvs)

400 trauerten auf dem Stübenplatz – CDU: Schreiber soll zurücktreten

von Chistopher v. Savigny

Mit roten Grabkerzen in der Hand trotzten sie der eisigen Kälte: Rund 400 Menschen haben sich am Freitagabend einem Schweigemarsch für die verstorbenen Kinder Chantal (11) und Lara-Mia (zehn Monate) angeschlossen.
Chantal, deren Pflegeeltern in der Fährstraße leben, war vor drei Wochen an einer Methadonvergiftung gestorben, Lara-Mia aus der Weimarer Straße wurde 2009 tot in ihrem Kinderbett aufgefunden. Vermutete Todesursache: Unterernährung. „Ich wünsche mir, dass in Zukunft alle genauer hinsehen, damit ein solcher Schweigemarsch nie wieder nötig ist“, sagte Organisatorin Anne Böhm aus Wilhelmsburg, selbst Mutter von vier Kindern.
Die schweigende Demonstration bewegte sich vom Stübenplatz aus etwa eine Stunde lang durchs Viertel. Einige hielten Fotos der verstorbenen Kinder hoch. „Ich finde es grausam, dass das Jugendamt einfach die Augen zugemacht hat“, sagte Mandy Stillger. Ihre Begleiterin Yasemin Güler: „Es sollte mehr und auch bessere Kontrollen geben.“ Viele Teilnehmer fanden einen Protestmarsch längst überfällig: „Das hätten wir schon vor zwei Jahren gebraucht“, so Bianca Freyer. „Vielleicht bewegt sich ja jetzt mal was.“
Unterstützung bekamen die Marschteilnehmer vom Roten Kreuz, das heißen Zitronentee ausschenkte, und von der Deutschen Kinderhilfe. „Dies ist eine außergewöhnliche Demonstration“, sagte der Kinderhilfe-Vorsitzende Georg Ehrmann. „Es ist das erste Mal, dass Leute auf die Straße gehen, weil ein Kind gestorben ist.“
Unterdessen wird der Druck auf Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) immer größer: Nach Recherchen von Hamburg 1 war der jetzt entlassenen Jugendamtsleiterin Pia Wolters bereits vor einem halben Jahr die Zuständigkeit für die offene Kinder- und Jugendarbeit entzogen worden. CDU, GAL und Linke fordern nun den Rücktritt des Bezirksbürgermeisters. „Nach dem zweiten Todesfall eines Kindes im Verantwortungsbereich des Jugendamts Hamburg-Mitte ist dies die einzige Form, wie hier Verantwortung übernommen werden kann“, sagt der neu gewählte Fraktionsvorsitzende der CDU, Jörn Frommann. Die SPD steht derzeit – noch – hinter ihrem Amtschef: „Nicht Rücktritt, sondern harte Arbeit für das Kindeswohl ist jetzt gefordert“, so SPD-Fraktionschef Falko Droßmann.
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2 Kommentare
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anne böhm aus Wilhelmsburg | 11.02.2012 | 16:55  
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harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 05.05.2012 | 02:56  
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