Schutzlos auf dem Schutzstreifen

Um sich vor den heranbrausenden Bussen zu schützen, weicht Astrid Kränkel vom Radfahrschutzstreifen lieber auf den Bürgersteig aus. Und da ist sie nicht die einzige. (Foto: sk)

Neue Radfahrspur sorgt bei Wilhelmsburgern für Verwirrung

von Steffen Kozieraz

Dieser Radweg ist völlig daneben!“, schimpft Astrid Kränkel. Wenn die Wilhelmsburgerin auf der Neuenfelder Straße zur Arbeit radelt, empfindet sie den Abschnitt zwischen Wilhelmsburger Reichsstraße und S-Bahn-Brücke als nervige Herausforderung. Auf Höhe der Schwimmhalle wirds dann sogar richtig gefährlich.
An dieser Stelle mündet der Radweg in einen sogenannten Radfahrschutzstreifen – eine lediglich durch eine gestrichelte Linie vom Autoverkehr getrennte Radfahrspur. Das Dilemma: Sechs Buslinien haben genau hier ihre Haltestelle. Weil stündlich rund 20 Busse in diesen Schutzstreifen einbrechen und ihn teils im Doppelpack blockieren, weichen die meisten Radler deshalb lieber auf den Bürgersteig aus. „Wenn man sich an die Verkehrsordnung hielte, müsste man sich in den reißenden Autoverkehr einordnen, um an dem haltenden Bus vorbeizukommen“, so Kränkel. Bei den vielen Autos und Lkw sei ihr das aber zu gefährlich. „Und das soll ein Schutzstreifen sein, absurd!“
Dabei wurde der Senatsbeschluss, in Zukunft mehr auf Fahrradspuren und Schutzstreifen zu setzen, vielerorts gelobt ­– auch vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). „Grundsätzlich befürworten wir diese Radspuren, weil sie dazu führen, dass Radfahrer mehr im Blickpunkt der Autofahrer sind und sie damit sicherer, zügiger und komfortabler vorankommen“, erklärt ADFC-Geschäftsstellenleiterin Johanna Drescher. Ihre Kollegin Merja Spott gibt aber auch zu bedenken: „Das Prinzip des Schutzstreifens hat bei hohem Verkehrsaufkommen und Schwerlastverkehr Grenzen.“
Auch die weitere Radfahrstre-cke bis zur S-Bahnbrücke gestaltet sich kurios und verwirrend. Gut 50 Meter hinter der Bushaltestelle wechselt der Radweg von der Fahrbahn auf den Bürgersteig, um kurz vor der Brücke für nur 30 Meter als Radfahrstreifen neben der dort verengten Fahrbahn noch mal aufzutauchen. Das kann kein Endzustand sein und ist es auch nicht, wie Olaf Böhm von der Verkehrsbehörde versichert: „Für diesen Abschnitt ist auf beiden Seiten ein durchgängiger Radfahrstreifen geplant.“ Doch solange hier gebaut werde, sollten insbesondere Radfahrer aufpassen und lieber ein paar Minuten mehr einplanen.
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