Schule sperrt Schüler ein

Janine Sibert (l.) und Monika Rupnow sind verärgert darüber, dass ihre Kinder eine Woche lang vom Unterricht suspendiert wurden. „Meine Sohn war schockiert, als er das erfahren hat. Er möchte nicht mehr in diese Schule“, sagt Sibert. Die Mütter bemühen sich um einen Schulwechsel für ihre Kinder.

Chaos an der Schule Rahmwerder Straße: Acht Grundschüler vom Unterricht suspendiert

Monika Rupnow ist empört. Vor zwei Wochen bekam die Georgswerderanerin einen Brief von der Schule Rahmwerder Straße, an der ihre Pflegetochter die dritte Klasse besucht. Die Zehnjährige habe den Unterricht massiv gestört und soll nach den Schulferien am Montag, 17. März, nicht wieder zur Schule kommen. Sie sei für eine Woche vom Unterricht sus-pendiert. Rupnow telefonierte herum und fand heraus, dass acht Familien ähnliche Briefe erhalten haben. „Unsere Kinder werden als Störenfriede gebrandmarkt. Das macht alles nur noch schlimmer“, ärgert sie sich.
In der Klasse gebe es seit September 2013 Probleme, berichten auch andere Mütter. „Die neue Klassenlehrerin kommt nicht mit den Kindern klar. Sie toben durch den Raum und es ist sehr unruhig“, sagt Janine Sibert. Auch ihr Sohn soll den Unterricht stören. Dabei sei er immer ein unauffälliger Schüler gewesen, erzählt sie. Im Herbst 2013 habe sich das schlagartig geändert. „Ich wurde dauernd angerufen und musste ihn abholen“, berichtet Sibert. Der Neunjährige habe sich geprügelt, sei laut gewesen und habe Lehrern Widerworte gegeben.
Aus den gleichen Gründen musste auch Grit Odewald ihren Sohn von der Schule abholen – zeitweise bis zu drei Mal die Woche. „Mein Sohn sagt, dass er permanent getriezt wird. Besonders ein Mädchen bringt ihn dauernd zur Weißglut“, berichtet sie. Die Lehrer sind mit der Situation überfordert, meint Odewald. Entsetzt war sie, als der Zehnjährige berichtete, er sei in einen Klassenraum gesperrt worden. „Ich glaube ihm, aber die Schule behauptet, das denkt er sich aus“, sagt sie. Monika Rupnow hat selbst gesehen, dass ihre Pflegetochter eingesperrt wurde. „Ich sollte sie abholen und fand sie in einem Klassenraum mit einer Freundin. Die Tür war abgeschlossen“, erzählt sie.
Die Mütter glauben, ein Grund für die Probleme in der Klasse sei der jahrgangsübergreifende Unterricht. Weil die Schule eine kleine Außenstelle der Elbinselschule ist, werden die Kinder in einer zusammengelegten 1. und 2. Klasse sowie einer 3. und 4. Klasse unterrichtet. „Jedes Schuljahr entsteht eine komplett neue Klassengemeinschaft. Dadurch gibt es zu viel Unruhe“, kritisiert Odewald.


Das sagt die Schulbehörde:
Dürfen Grundschüler eine Woche lang vom Unterricht suspendiert werden? Nein, es bestehe Schulpflicht, heißt es aus der Schulbehörde. „Der Schulleiter wurde angewiesen, die Suspendierung der acht Schülerinnen und Schüler zu revidieren. Die Kinder werden in der kommenden Woche beschult werden. Der Schulleiter hat den eindeutigen Auftrag erhalten, dies den Eltern rechtzeitig mitzuteilen“, sagt Sprecher Thomas Bressau. Das hat offenbar nicht geklappt: Odewald, Sibert und Rupnow haben bis Montagmorgen keine Nachricht von der Schule bekommen, ihre Kinder blieben folglich zu Hause.
Um die Probleme in der Klasse zu klären, setzt die Schule auf zusätzliches Sozialtraining – der Träger „Nordlicht“ sei damit schon im Februar beauftragt worden, sagt Bressau. Eltern können ein zusätzliches Training buchen, die Kosten von zehn Euro müssen sie jedoch selbst tragen. In dieser Woche sind zudem Beratungstermine mit betroffenen Eltern geplant, bei denen auch ein Schulaufsichtsbeamter hinzugezogen werden kann. Zudem will sich die Schulaufsicht demnächst einen Eindruck von der Situation verschaffen. Der Besuch sei seit längerem geplant. Den Vorwurf, Kinder würden eingesperrt, wehrt Bressau ab. „Selbstverständlich ist ein mögliches ,Wegsperren’, von Schülern weder gängige Praxis noch ist dies zulässig“, sagt er. Einen Zusammenhang zwischen dem jahrgangsübergreifenden Lernen und den Problemen in der Klasse sehe man nicht. Ab nächstem Jahr wird es jedoch in den neuen ersten Klassen keine Jahrgangsmischung mehr geben.
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1 Kommentar
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Christian Martens aus Eimsbüttel | 19.03.2014 | 06:55  
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