Schule Fährstraße: Vater greift Schüler an

Seit dem Angriff hat Assad (8) Angst. An seine Schule möchte der Zweitklässler auf keinen Fall zurück. Foto: sk
 
Die Grund- und Ganztagsschule Fährstraße im Wilhelmsburger Reiherstiegviertel. Foto: ad

Klassenlehrerin rief nicht die Polizei – sollte der Vorfall vertuscht werden?

von Steffen Kozieraz und Claudia Pittelkow

Ein achtjähriger Junge wird nach Schulschluss vom Vater einer Mitschülerin brutal angegriffen. „Er hat mich auf den Boden geschmissen und ‘Scheiß Türken’ geschrien“, erzählt Assad Akdag. Die Klassenlehrerin stand direkt daneben. Was den Zweitklässler besonders entsetzt: Sie habe weder die Polizei alarmiert noch seine Eltern verständigt. Stattdessen sei er nach Hause geschickt worden – allein. „Wir sind fassungslos“, empört sich Mutter Eylin Ökten. „Was ist in dieser Schule los?“
Der Vorfall ereignete sich am 7. Dezember in der Schule Fährstraße. Offenbar hatte Assad nach dem Unterricht eine Klassenkameradin angeblafft, was der Vater des Mädchens mitbekam – und ausrastete. Er soll den Jungen geschubst und geschüttelt und vor Wut heftig mit der Faust gegen die Wand geschlagen haben. „Er sagte, ich f... deinen Vater!“, erinnert sich Assad schockiert.
Seit der Attacke sei ihr Sohn nicht mehr zur Schule gegangen, berichtet Eylin Ökten: „Er hat Angst und ist in psychologischer Behandlung.“ Die Schule habe bereits mit Bußgeld gedroht, falls Assad weiter dem Unterricht fernbleibe. Inzwischen hat sich Tamer Ökten, der Onkel des Jungen, eingeschaltet. Für ihn ist das Verhalten der Schule der eigentliche Skandal. „Dieser Schläger hat noch nicht mal einen Schulverweis bekommen, aber meinem Neffen wird gleich mit Bußgeld gedroht“, ärgert er sich. „Den Schulleiter zeige ich an!“
Tatsächlich liegt eine Anzeige vor. „Allerdings nicht gegen die Schule oder den Schulleiter“, erklärt Polizeisprecher Andreas Schöpflin. Stattdessen hätten sich Assads Onkel und der Prügel-Vater gegenseitig angezeigt, wegen Bedrohung auf der einen sowie Nötigung und Beleidigung auf der anderen Seite. Der Prügel-Vater ist bei den Ordnungshütern kein Unbekannter. Schöpflin: „Er ist wegen Körperverletzung vorbestraft.“
Die Schule selbst will zu dem Vorfall nicht Stellung nehmen. „Ich sage dazu gar nichts“, so Wilfried Röhl, stellvertretender Schulleiter. Anstatt den Standpunkt der Schule zu erläutern, droht er lieber: Sollte etwas über diesen Vorfall in der Presse stehen, so Röhl gegenüber dem Wochenblatt, werde man rechtliche Schritte einleiten – gegen Eylin Ökten, die Mutter des verprügelten Kindes.


Behörde: Schule hat alles richtig gemacht

Nach Auffassung der Schulbehörde hat die Schule Fährstraße alles richtig gemacht.Für solche Vorfälle von Gewalt gebe es ganz bestimmte Verhaltensvorgaben, an die sich alle Schulen halten müssten, erklärt Behördensprecher Thomas Bressau. Und zwar: Die Schulleitung muss die Beratungsstelle Gewaltprävention informieren (ist laut Behördensprecher passiert), die Polizei einschalten (ist im Nachhinein passiert), den Fall genau dokumentieren (ist passiert), Sicherungsmaßnahmen auf dem Schulgelände einleiten und den Eltern Beratung anbieten (ist passiert). Hat die Schule den Vorfall gemeldet? „Ja – so, wie es sein soll, ist eine Information durch die Schulleitung an die zuständige Schulaufsichtsperson und die Behörde erfolgt“, bestätigt Bressau. Die Behörde behalte den Vorfall zudem weiterhin im Auge.
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2 Kommentare
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 08.01.2012 | 06:01  
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Taner Kip aus Kirchdorf | 03.03.2012 | 20:36  
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