Schokolade oder Autobahn - schmeckt's?

Schokolade am Haptbahnhof - Autobahnen in Wilhelmsburg
Am Hauptbahnhof warten auf die S-Bahn und an Schokolade denken - das ist fast ein und dasselbe. Vorne, hinten, oben - überall Plakatwände für Ritter-Sport. „Wir glauben an das Gute in der Schokolade“ ist die Gegenbotschaft gegen das aufkommende schlechte Gewissen, ach ja, die Kalorien, so viel Süßes kann doch nicht gesund sein ...

In Wilhelmsburg angekommen, gibt's keine Schokoladenwerbung mehr, aber die Firma public:news GmbH, die die Werbung für Ritter-Sport konzipiert und gestaltet hat, lässt einen nicht mehr los:

1. Da gibt es die "Hamburger Perlen", einen Newsletter der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Senatorin Blankau zum "Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE)". Er wird jetzt von public:news redigiert und gestaltet, mit großen Berichten zur wohltuenden Wirkung der IBA für den benachteiligten Stadtteil Wilhelmsburg, im MIttelpunkt ein Interview mit dessen Chef Uli Hellweg.

2. Die igs 2013 von Herrn Baumgarten beschäftigt nun auch für ihre Werbung die Firma public:news.

3. Dazu passt es gut, dass public:news nun im igs-Gelände (eigentlich ist es ja der Park, der den Wilhelmsburger_innen gehören soll) Container mit einer Ausstellung gestaltet. "Wilhelmsburger Perspektiven" heißen sie und machen Propaganda für die Perspektive, wie sie die auftraggebende Verkehrsbehörde Herrn Horchs sieht: die Wilhelmsburger Reichsautobahn durch die MItte.

Ganz neu ist diese Idee nicht, hatte doch schon 2011 Frau Gundelach als Verkehrssenatorin eine Ausstellung unter dem gleichen Titel am Berta-Kröger-Platz von public:news geordert, Wenn man durch die multimediale Ausstellung hindurch gelangte, konnte man in deren Hinterzimmern die Planfeststellungsunterlagen ansehen konnte und - war es einem nicht schon ausgeredet von den freundlichen Beratern der DEGES - Einwände erheben.

Stolz berichtet public:news: „Uns kam zu Ohren, dass nicht nur Verkehrsminister Ramsauer, sondern auch die Kanzlerin persönlich hochinteressiert an der von uns organisierten Ausstellung zur Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße ist“.

4. Wie soll man nun noch die zweite Autobahn, die Herr Scholz beim Bund angemeldet hat, die Hafenquerspange quer durch Wilhelmsburg, durchsetzen? fragte sich die Autobahnplanungsgesellschaft DEGES (gehört dem Bund und einer Reihe von Bundesländern, darunter Hamburg). Die Antwort lag auf der Hand: Wir machen es mit public:news. Und so wurde ein Vertrag für ein Werbekonzept geschlossen zwischen DEGES und public:news.

Als erstes präsentierte man am 16.Mai nicht etwa die Autobahnplanung der Hafenquerspange, sondern einen "Siegerentwurf der Süderelbebrücke". Das Konzept der Werbeagentur ging auf; die Presse brachte die wunderbaren (und für sie kostenlosen!) Fantasie-Bilder der Brücke, von der Pleiten-Pech- und Pannengeschichte der Hafenquerspange und vom erfolgreichen Widerstand der WIlhelmsburger Bevölkerung gegen die Autobahn war nicht die Rede.
Kein Wunder, dass nun auch hier wieder schöne Aussstellungen über die Brücke folgen sollen, die natürlich von public:news gestaltet werden.

"(positive Presse-) Stimmen zum Projekt"


Im Konzept von public:news für die Ausstellung zur Wilhelmsburger Reichsstraße vom 18.1.2013 - ich bekam es aufgrund des Transparenzgesetzes gegen eine Gebühr von 29€ - wird es deutlich: Die Botschaft ist: Alles wird gut für alle - Kritik oder Protest ist unnötig - und kommt er dennoch, wird er verschwiegen, mit Dialog-Tafeln "widerlegt" oder mit einer Flut von "Positivbildern" überschwemmt.
Der Senat entledigt sich seiner Verpflchtung zur objektiven Information und zur ergebnisoffenen Beteiligung. Werbung von kommerziellen Firmen wird als Information verkauft - und von denen, die ihr ausgesetzt sind, auch noch mit Steuergeldern bezahlt.

Demokratie sieht anders aus.
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