Schleuse ist eine lahme Ente

Modern, aber lahm: die neue Ernst-August-Schleuse. Foto: ad

Neue Ernst-August-Schleuse arbeitet zu langsam –
Barkassenbetreiber wollen deshalb nicht mehr nach Wilhelmsburg fahren

von Christopher v. Savigny

Gut zwei Jahre hatten die Bauarbeiten gedauert: Als die Hamburg Port Authority (HPA) im Oktober vergangenen Jahres ihre für 26 Millionen Euro umgebaute Ernst-August-Schleuse präsentierte, schien damit ein großer Schritt in Richtung Hochwasserschutz für die Elbinsel getan. Doch nun stellt sich heraus, dass den Konstrukteuren beim Bau wohl ein Riesenfehler unterlaufen ist: Denn die neuen Hubtore der Schleuse arbeiten erheblich langsamer als die alten.
Statt wie bisher zehn Minuten müssen Schiffe jetzt durchschnittlich 25 Minuten warten, bis der Wasserstand zwischen dem Kanal und der tideanhängigen Elbe ausgeglichen ist. Etliche Barkassenbetreiber haben bereits ihre Wilhelmsburg-Törns aus dem Programm genommen. „Ein Schildbürgerstreich“, wettert der Veddeler SPD-Mann Klaus Lübke. „Ja, ein Skandal!“
Ein Schildbürgerstreich deshalb, weil die Stadt gerade den hinter der Schleuse liegenden Aßmannkanal für 15 Millionen Euro hat verbreitern lassen. Rechtzeitig zur Eröffnung der Internationalen Gartenschau (igs) im April nächsten Jahres sollten Gäste auf diesem Weg „von Rathaus zu Rathaus“, also von der Hamburger City ins Zentrum Wilhelmsburgs, schippern können. Doch die Barkassenbetreiber streiken: „Ich möchte meinen Kunden nicht so viel Wartezeit zumuten“, sagt Maike Brunk, Chefin der Firma „Hamburger Elbinsel-Tour“. Rund 40 Fahrten pro Jahr habe sie bislang auf dieser Strecke angeboten. „Stattdessen geht’s jetzt zur Ballinstadt“, so Brunk.
Inzwischen sollen bereits drei von sieben Barkassenunternehmen die Route aus ihrem Programm genommen haben. Für Qazim Dreshaj, Inhaber des Biergartens „Zum Anleger“ am Ernst-August-Kanal, eine Ka-
tastrophe: „30 Prozent unserer Gäste kommen per Schiff. Damit ist jetzt wohl Schluss“, klagt der Gastwirt.
Der Neubau der Schleuse war nötig geworden, weil die alte, 1930 gebaute Anlage nicht mehr zu reparieren war. Laut HPA könnte die Passage bei extremem Wasserstand sogar eine ganze Stunde dauern. „Wir prüfen gerade, ob sich die Geschwindigkeit der Tore noch erhöhen lässt“, sagt HPA-Sprecher Alexander Schwertner.


Biergarteninhaber Qazim Dreshaj lädt für Donnerstag, 29. März, zu einer Krisensitzung mit Anwohnern, Barkassenunternehmern und Lokalpolitikern ein. Auch die HPA ist eingeladen. Im Biergarten „Zum Anleger“, Vogelhüttendeich 123, 18 Uhr.
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 30.03.2012 | 04:03  
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