Schlechtes Timing

Fühlt sich von ihrem Sachbearbeiter im Jobcenter schikaniert: Sonja Daniel. Der schickte ihr eine Einladung zum Erstgespräch, trotz Einstellungszusage und Beginn des Vorbereitungskurses. Foto: pit

Jobcenter lädt Arbeitslose (42) zum Gespräch – ausgerechnet an ihrem ersten Schulungstag

Eigentlich eine nette kleine Erfolgsgeschichte: Sonja Daniel (42) bekommt durchs Arbeitsamt Kontakt zum Sicherheitsunternehmen Securitas. Dort stellt man ihr eine Festanstellung in Aussicht, wenn sie eine Prüfung vor der Handelkammer ablegt. Als sie im Jobcenter Wilhelmsburg den dafür nötigen Bildungsgutschein bekommt, hat sie den Job so gut wie in der Tasche. Doch dann liegen plötzlich Steine im Weg.
Seit gut einem Jahr ist die Wilhelmsburgerin auf Jobsuche. Eine Veranstaltung im Arbeitsamt in der Kurt-Schumacher-Allee bringt der 42-Jährigen schließlich Glück: eine Einstellungszusage von Securitas! „Ich hatte mich vorher schon dort beworben, aber ohne Erfolg“, erzählt sie. Durch den direkten Kontakt habe es nun geklappt.
Erfreut informierte Daniels ihren Sachbearbeiter beim Jobcenter, der ihr prompt den erhofften Gutschein für den vierwöchigen Prüfungsvorbereitungskurs aushändigte. Alles klappte wie am Schnürchen – bis jetzt. „Ich dachte, alles sei geklärt, doch Tage später hatte ich eine Einladung zum persönlichen Gespräch im Briefkas-ten“, wundert sich Daniel. Der Absender: ihr Sachbearbeiter im Jobcenter. Der Termin: Montag, 17. September, 10.15 Uhr – ausgerechnet an dem Tag, an dem ihr Vorbereitungskurs beginnt. Der Anruf beim Jobcenter en-dete im Streit, erst schrie Daniel, dann ihr Sachbearbeiter. Dieser habe mit Sanktionen gedroht, falls sie nicht zum Termin erscheine, erster Schultag hin oder her. „Das ist Schikane“, ist sich Daniel sicher.
Natürlich sei das keine Schikane, versichert eilig das Jobcenter. „Als die Einladung rausgeschickt wurde, war der Termin des Kurses noch gar nicht bekannt“, erklärt Heike Böttger, Sprecherin des Jobcenters. Im übrigen sei es normal, dass Kunden auch während einer Schulungsmaßnahme zum Gespräch geladen würden. „Allerdings ist dieser Termin am ers-ten Schultag tatsächlich etwas unglücklich“, räumt Böttger ein. Deshalb zeige sich das Jobcenter entgegenkommend und biete einen Alternativtermin an – am gleichen Tag, aber nachmittags. Außerdem bei einer anderen Sachbearbeiterin.
Nach ihrem ersten Schultag ist Daniel sofort zum Jobcenter geflitzt. Jetzt muss es nur noch mit dem Job klappen.
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 23.09.2012 | 12:13  
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