Schlecht informiert?

Ob die Motoren der Abricht- und Hobelmaschine ihr Bad im Elbwasser überlebt haben, weiß Marcel Hahn nicht. „Ich hab mich noch nicht getraut, sie anzuschalten“, sagt der Tischler. Eine neue müssten die Wilhelmsburger selbst bezahlen, denn sie sind nicht versichert. „Eine Versicherung hier im Hochwassergebiet wäre viel zu teuer“, sagt Hahn.

Schwere Sturmflut-Schäden im Fährstieg: Tischler-Werkstatt unter Wasser

Zwei Tage lang haben Marcel Hahn und seine beiden Kollegen ihre Werkstatt im Fährstieg umgeräumt, um sie vor dem Orkan Xaver zu schützen. Ihre Tischlerei liegt vor dem Deich, bei Sturmflut ist das Risiko einer Überschwemmung groß. Damit das Werkzeug und die teuren Geräte nicht nass werden, stellten die drei Männer sie hoch. Ein Meter über dem Boden sollte reichen, schätzten die Tischler. Doch am Ende hat die viele Mühe nichts gebracht. Als Hahn am Morgen des 6. Dezember in die Werkstatt kam, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung: Das Wasser stand 1,5 Meter hoch, überall schwammen Werkzeuge und Maschinen. „Wir haben uns verschätzt“, sagt Hahn.
Der entstandene Schaden ist ein harter Schlag für die drei Wilhelmsburger, die sich erst vor einem Jahr selbstständig gemacht haben. Zumindest einen Teil der Geräte und Werkzeuge konnten sie retten, weil Freunde sofort einsprangen, um sie stundenlang zu trocknen. „Sonst hätten die Sachen gleich angefangen zu rosten“, sagt der 34-Jährige. Dennoch muss viel neu angeschafft werden. „Ein paar Monate werden wir arbeiten müssen, bis das alles wieder verdient ist“, sagt Hahn.
Der Tischler wünschte, es hätte mehr Aufklärung von Seiten der Stadt gegeben. „Wir wollen uns gar nicht beschweren, schließlich kennen wir das Risiko hier im Hochwassergebiet. Aber woher sollen wir wissen, was es genau für uns bedeutet, wenn das Wasser in der Elbe auf fünf Meter über Normalnull steigt?“, fragt er. Auch Anrufe bei Behörden und die Recherche im Internet halfen ihnen nicht weiter. „Keiner konnte uns sagen, wie hoch das Wasser bei uns wird“, sagt Hahn.
Wer wäre zuständig gewesen? „Die Hamburg Port Authority und das Bezirksamt können detaillierte Informationen geben. Man kann in Karten nachsehen, auf welchem Niveau ein Gebiet liegt“, erklärt Holger Poser vom Katastrophenschutz. Der Fährstieg liege etwa 4,50 Meter über Normalnull. Als am Donnerstag bekannt wurde, dass Freitagfrüh das Elbwasser bei sechs Metern stehen würde, hätten die Tischler ihr Werkzeug in mindestens zwei Metern Höhe sichern müssen, erklärt Poser. Er leitete den Einsatz des Katastrophenschutzes, während Orkan Xaver in Hamburg tobte.
„Der Schaden für die Tischlerei tut uns sehr leid. Aber jeder, der in sturmflutgefährdeten Gebieten wohnt oder arbeitet, muss sich genau informieren, darum bitten wir jedes Jahr“, sagt Poser. Zudem verteile die Behörde alle zwei Jahre in betroffenen Regionen Sturmflut-Informationen. Und Poser warnt: Die Sturmflutsaison geht noch bis Ende März!


Infos bei Sturmflut:
• Sturmflut-Ansagedienst der Stadt: Tel. 42 89 91 11 11
• Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH): Tel. 31 90 31 90
• Hamburger Sturmflutwarndienst (WADI): Tel. 31 79 57 52
• Hamburg Port Authority Tel. 31 59 51 oder 31 59 52
• Katastrophenwarnsystem per SMS: Nachricht an Tel. 0163/755 88 42, KATWARN und Postleitzahl eingeben
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