Schlecht beraten bei der AOK

62-Jähriger reiste ganz nach Bayern, um seine Schmerzen loszuwerden

Jahrelang hat Wolfgang Mischke im Hafen geschuftet, „ein Knochenjob“, erzählt der 62-Jährige. Dann bekam er die Rechnung für all die Plackerei: Rücken kaputt, Bandscheiben-OP, ständige Schmerzen. Heute kann der Wilhelmsburger kaum noch gehen, nimmt starke Schmerzmittel, sogar Morphium. „Davon sind meine Nieren geschädigt“, so Mischke. Doch es gibt Hoffnung für den geplagten Mann: Ein Neurostimulator könnte ihn dauerhaft von den Schmerzen befreien. Nur: Seine Krankenkasse will das Gerät nicht bezahlen.
Ein Neurostimulator ist eine Art Schmerz-Schrittmacher, der unter die Haut implantiert wird und Stromimpulse abgibt, die den Schmerz neutralisieren. Das Gerät wird eingesetzt, wenn Medikamente und Operationen keinen Erfolg mehr bringen. Nachdem seine Hausärztin, ein Orthopäde und ein Nierenfacharzt den Einsatz des Neurostimulators befürworten, wendet sich Mischke hoffnungsvoll an seine Krankenkasse, die AOK. Doch seine Sachbearbeiterin in der Harburger Geschäftsstelle hat schlechte Nachrichten. Mischke: „Die sagte, dass die OP in Hamburg gar nicht gemacht wird.“
Mischke informiert sich und findet eine Spezialklinik im tiefsten Bayern, wo er sich untersuchen lässt. Hier würde man den Eingriff vornehmen – vorausgesetzt, die Kasse zahlt. Mischke stellt einen Antrag auf Kostenübernahme. Doch die AOK will immer noch nicht zahlen. „Bei dem beantragten System handelt es sich nicht um eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung“, heißt es jetzt.
Das stimmt so nicht! Die AOK übernimmt sehr wohl die Kosten von rund 20.000 Euro – vorausgesetzt, das Gerät wird in Hamburg eingesetzt. „Hätte sich Herr Mischke vorab bei uns informiert, hätten wir ihm Kliniken in Hamburg genannt“, versichert ein AOK-Sprecher. Warum die Sachbearbeiterin genau dies unterlassen hat, kann man sich in der AOK-Zentrale nicht erklären. „Das muss ein Missverständnis sein“, so der AOK-Sprecher.
Ob falsch verstanden oder bewusst verschwiegen, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Die Verbraucherzentrale Hamburg stellt jedoch klipp und klar: „Krankenkassen sind verpflichtet, ihre Mitglieder über Leistungen wahrheitsgemäß zu informieren. Sie haben sogar eine Beratungspflicht“, erklärt Ruth Greiner von der Abteilung Gesundheit und Patientenschutz.
Wäre Wolfgang Mischke gleich richtig beraten worden, wäre er jetzt schon schmerzfrei.
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Jochen Elter aus Wilhelmsburg | 04.11.2011 | 10:10  
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