Schienenersatzverkehr? Gar nicht so schlimm!

Proppenvoll ist es im Ersatzbus nach Harburg.

In zwei Stunden von Veddel nach Harburg – ein Erfahrungsbericht

Oh nein, nicht schon wieder! Erst am Montag wurde in Wilhelmsburg eine Fliegerbombe gefunden, und heute, nur drei Tage später, der nächste Bombenfund, dummerweise direkt am S-Bahnhof Wilhelmsburg. Für alle Bahnfahrer ist das der Super-Gau, nichts geht mehr auf den Schienen. Jetzt heißt es: auf in den Kampf, auf in den Schienenersatzverkehr! Ein Erfahrungsbericht:
11.46 Uhr am Busbahnhof Veddel, dichte Menschentrauben drängeln sich in Richtung Ersatzbus. Doch der ist schon knüppeldicke voll, ich ergattere den letzten (Steh-)Platz an der Vordertür. Im letzten Moment steigen noch zwei junge Männer zu, ich sitze nun fast auf dem Schoß des Busfahrers. Zum Glück ist der total nett. Zeigt mir erstmal seinen Stundenzettel, seit sechs Stunden ist er schon auf der Straße, in vier Stunden hat er Feierabend. „Meine Pause kann ich streichen, alle Fahrer sind jetzt im Einsatz“, sagt er und nimmts mit Humor.
Bis 12.32 Uhr geht es zügig voran in Richtung Harburg, keiner will aussteigen, zusteigen kann sowie keiner. Es ist heiß, stickig und es müffelt. Der Bus ist so voll, dass ich den nassgeschwitzten Rücken meines Nebenmannes an meiner Hüfte spüre. Egal, hauptsache, es geht voran. An den Straßen stehen überall Menschentrauben, die auf Busse warten.
Um 12.40 Uhr fahren wir in die Georg-Wilhelm-Straße – und stehen im Stau. Nichts geht mehr, Stillstand. Der Busfahrer ärgert sich, dass er nicht auf die B75 fahren durfte, sondern sich an die vorgeschriebene Fahrtroute der Linie 13 halten musste. Er dreht die Klimaanlage auf und das Radio an. Einer kommt auf die Idee, einen Privat-Ersatzverkehr einzurichten. „Wenn man fünf Euro von jedem nimmt, kommt man schnell zu Geld“, überlegt er. Mein Rücken-an-Hüfte-Nachbar erzählt, dass er heute noch in die Pfalz weiter muss. Ich bin froh, dass ich nur nach Harburg will.
13.22 Uhr – endlich geht es weiter auf die Wilhelmsburger Reichsstraße, yippie, freie Fahrt! Im Nu sind wir am Harburger Bahnhof, auch hier Menschenmassen. Fröhlich verabschiede ich mich um 13.35 Uhr nach knapp zwei Stunden von meinen neuen Bus-Bekanntschaften. War gar nicht so schlimm, der Schienenersatzverkehr, nur bitte nicht jeden Tag!
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