Sanierung auf Kosten der Bewohner?

Die Gagfah will ihre Häuser in der Korallusstraße endlich sanieren – über die Rahmenbedingungen verhandelt der Mieterverein mit dem Vermieter, der in der Vergangenheit häufig für Negativschlagzeilen sorgte. (Foto: Christopher von Savigny)

Gagfah will Häuser im Korallusviertel modernisieren – Mieterverein befürchtet hohe Mietsteigerungen

von Christopher von Savigny, Wilhelmsburg
Endlich mal eine gute Nachricht für die Gagfah-Mieter in der Korallusstraße: Im Zuge seines hamburgweiten Sanierungsprogramms will das Wohnungsunternehmen auch seine Gebäude auf der Elbinsel instand setzen lassen. Das Wochenblatt hatte in der Vergangenheit häufig über Missstände – verschimmelte Wände, undichte Fenster, verrottete Treppenhäuser – berichtet. Nun sollen – teilweise noch in diesem Jahr – Dächer und Fassaden gedämmt, Balkone saniert und Fenster ausgetauscht werden. Die Mieter sind vor kurzem informiert worden.
Doch so richtig glücklich dürften die Bewohner mit der längst fälligen Grundsanierung nicht werden. Denn die Gagfah hat bereits erhebliche Mieterhöhungen angekündigt. Bis zu elf Prozent der Baukosten dürfen laut Gesetz auf die Mieter umgelegt werden.
Zwar wird der Höchstsatz wohl nicht ganz ausgeschöpft, aber die zu erwartende Mietsteigerung ist dennoch beträchtlich: In Lurup etwa sind den Mietern der Gagfah Erhöhungen von bis zu 30 Prozent ins Haus geflattert. „Ich schätze, dass die Mieten auch hier in Wilhelmsburg um zwei Euro pro Quadratmeter steigen werden“, sagt Wilfried Lehmpfuhl, Rechtsberater beim Mieterverein zu Hamburg. Die Erhöhung würde laut Lehmpfuhl viel niedriger ausfallen, wenn sich die Gagfah rechtzeitig um Fördergelder bei der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) bemüht hätte. „Nun müssen es die Mieter ausbaden“, schimpft Lehmpfuhl.
Die Gagfah ist nach eigener Auskunft mit der IFB in Kontakt und will – „wenn die Möglichkeit besteht“ ­– Fördermittel beantragen. „Die Mieten sollen bezahlbar bleiben“, sagt Gagfah-Sprecherin Bettina Benner.

Mieterverein verhandelt mit Vermieter Gagfah:
Etappensieg in Steilshoop: Der Mieterverein zu Hamburg hat mit der Gagfah eine Rahmenvereinbarung zur sozialverträglichen Modernisierung mehrerer Häuserblöcke getroffen. Dazu gehört unter anderem Mietminderung während der Bauphase für die 176 betroffenen Mieterfamilien. Zudem werden die geplanten Mieterhöhungen geprüft, gekappt und gestaffelt – es soll niemand aus seiner Wohnung verdrängt werden. Eine solche Vereinbarung gibt es für Wilhelmsburg nicht. Der Grund: In den betroffenen Häusern lassen sich nur zwei Parteien vom Mieterverein vertreten. „Wir müssen die Mieter mobilisieren und Druck machen“, sagt Wilfried Lehmpfuhl vom Mieterverein. Eines ist dem Verein bereits gelungen: Aus sein Drängen hin werden nur die Häuser in der Korallusstraße 11-17 (32 Wohnungen) saniert, die zeitgleich geplante Sanierung der Häuser Korallusstraße 1 a+b und 3 a-c (12 Wohnungen) sowie 9 a+b (16 Wohnungen) liegt vorerst auf Eis. Hier habe es schon im Vorwege Probleme gegeben, unter anderem wären die Vorgaben für die Sanierung viel zu ungenau gewesen, so Lehmpfuhl. „Man kann nicht so holterdiepolter Häuser modernisieren. Das ist eine PR-Geschichte, mit der die Gagfah vom Lager der Bösen zu den Guten wechseln will“, sagt der Rechtsberater. AS
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