Salafismus auf dem Vormarsch

Fatih Yildiz vom IWB informierte den Beirat über das Projekt „Al Wasat“. Foto: cvs

Wie kann Jugendlichen geholfen werden? -
Stadtteilbeirat will aufklären - Runder Tisch geplant

Von Ch. v. Savigny.
Typischerweise tragen sie lange Bärte und knöchellange Gewänder: Immer mehr Salafisten (von arabisch „Salaf“, der Vorfahre) sind auf Hamburgs Straßen unterwegs, um an „Infoständen“ und mit kostenlosen Koranverteilungen auf ihre Glaubensrichtung aufmerksam zu machen. Die Elbinsel bleibt da nicht ausgenommen. „In Wilhelmsburg gibt es durchaus salafistisch-islamistische Bewegungen“, sagte Oliver Kreutzfeld vom Landeskriminalamt bei einer Sitzung des Stadtteilbeirats.
Der Beirat will sich künftig verstärkt mit dem Thema befassen: Ein runder Tisch soll eingerichtet werden, an dem sich etwa Kirchen, Moscheen, Pädagogen und das Bezirksamt beteiligen könnten. „Wir müssen so offen wie möglich, aber auch so kritisch wie möglich mit dem Thema umgehen“, sagte der Beiratsvorsitzende Lutz Cassel.
Der Salafismus ist eine islamis-tische Strömung, die sich auf die Religion der frommen „Altvorderen“ beruft. Salafisten sprechen gezielt junge Leute an, um sie für ihre Sache zu begeistern. Ob dabei terroristische Tendenzen eine Rolle spielen, sei für den Außenstehenden nicht immer erkennbar, urteilte Wilhelm Kelber-Bretz vom Forum Bildung Wilhelmsburg. „Man muss schon sehr scharf trennen“, so der Pädagoge, der als Lehrer an der Stadtteilschule Wilhelmsburg arbeitet.
Über Missionierungsversuche islamistischer Glaubensbrüder berichtete Uli Gomolzig, Leiter des Hauses der Jugend Wilhelmsburg. Dort hätten Salafisten kostenlose Hausaufgabenhilfe angeboten. „Wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir den Jugendlichen helfen können“, so Gomolzig. „Nach meiner Erfahrung ist es verdammt wichtig, dass der Gesprächsfaden nicht abreißt!“ Gleichzeitig warnte der HdJ-Leiter davor, zu schnell zu urteilen: „Ich möchte betonen, dass die allermeisten Islamisten hier in Wilhelmsburg Gewalt ablehnen.“
Der Beirat will sich mit seinem Anliegen jetzt schriftlich an die Bezirksversammlung Mitte und an die Bürgerschaft wenden. Eine Entscheidung zum Thema „Runder Tisch“ soll bei der nächsten Beiratssitzung am Mittwoch, 25. November, fallen. Eine wichtige Rolle dabei könnte auch das Islamische Wirtschafts- und Bildungsinstitut (IWB) aus Harburg spielen. Das Anfang 2014 gestartete Projekt „Al Wasat“ („Die Mitte“) will Jugendliche über die Gefahren von gewaltbereitem Islamismus aufklären.
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 30.10.2015 | 09:57  
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