Reklame erschlägt Kunstwerk

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Das Goldene Kalb steht mitten im Reiherstieg auf einem ungenutzten Brückenpfeiler. Im Hintergrund prangt neuerdings eine knallbunte Hafenwerbung. Foto: ad

Neues Auftrags-Graffiti der HPA passt nicht zur Skulptur „Goldenes Kalb“ im Hafen – Künstlerin sauer

von Angela Dietz

Die gülden schillernde Skulptur zwischen Argentinien- und Ellerholzbrücke ist bei Anwohnern, Touristen und Barkassenführern gleichermaßen bekannt: Elisabeth Richnows „Goldenes Kalb“ ist ein echter Hingucker im Hafen. Doch jetzt hat das Kunstwerk Konkurrenz bekommen. Gleich gegenüber, am Anleger Argentinienbrücke, prangt ein neues, knallbuntes Wandbild. Die unmittelbare Nähe beider Kunstwerke sorgt für Ärger, denn sie wollen so gar nicht zueinander passen.
Das Graffiti-Wandbild mit den üblichen Stadt- und Hafensymbolen von Michel bis Schiff entdeckte Richnow eher zufällig im Oktober. Entsetzt rief sie bei der zuständigen Hafenbehörde (HPA) an. „Die wussten schließlich, dass ich dort noch einiges vorhabe“, erklärt die Künstlerin. Das Wandbild sieht sie als „Disneyland im Hafen“, weitere Arbeiten von ihr vor Ort hält sie deshalb für unmöglich. „Das sind klischeehafte Bilder und Texte, farblich nicht eingefügt“, kritisiert sie. Das Auftrags-Graffiti zerstöre unwiederbringlich ein Stück Hafenlandschaft.
Fakt ist: die Graffiti-Sprayer wurden von HPA beauftragt. Warum? „Am Anleger ist viel Mist gesprüht worden“, erklärt HPA-Sprecherin Karin Lengenfelder. Bei der anstehenden Grundreinigung hätte man sich überlegt, wie man die wilden Sprühaktionen mit zweifelhaften Botschaften künftig verhindern könne. Kontakt zur Sprayerszene gäbe es seit Jahren. So wurden Chris Bothge und ein Kollege beauftragt. Rund zehn Tage dauerten die Arbeiten, inklusive Planung und Sprayen. HPA zahlte die Farbe und ein kleines Honorar für die Sprayer.
Chris Bothge selbst, der in London Grafik-Design und Illustration studierte, hat an sein Werk gar keinen Kunstanspruch. „Graffiti ist Graffiti“, meint er. Dass das Goldene Kalb und sein Wandbild nicht zusammenpassen, darüber scheint er sich im Vorwege keine Gedanken gemacht zu haben: „Wir hatten keine generellen Vorgaben für das Bild.“
Warum die Hamburg Port Authority so unsensibel vorgegangen ist, bleibt auch auf Nachfrage unklar. Richnow habe keine Rechte an dem Raum. „Aber ein Stück weit kann ich den Unmut der Künstlerin verstehen“, lenkt die HPA-Sprecherin ein. Immerhin: „Entfernen muss sie das Goldene Kalb wegen uns dort nicht.“

Abschiedsparty am Sonntag:
Elisabeth Richnow errichtete das Goldene Kalb 2008 im Rahmen des ersten Flusslicht-Spektakels auf dem Reiherstieg. Seither ini-tiierte die Künstlerin, die seit langem zu Hafenthemen arbeitet, dort mehrere Performances und Aktionen, zuletzt mit einem Konzert des Musikers Christian von Richthofen „Gold und Eisen“. In den nächsten Jahren sollten eigentlich weitere Klangexperimente folgen, doch stattdessen heißt es nun Abschied nehmen von den Möglichkeiten des Ortes. Die Abschiedsparty findet am Sonntag, 4. Dezember, um 15 Uhr mit Christian von Richthofen und einem Brückenrequiem statt. Treffpunkt ist auf dem Fußweg unter der Argentinienbrücke. ad/pit
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3 Kommentare
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Uwe Müller aus Altona | 29.11.2011 | 17:31  
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Sabine März aus Harvestehude | 29.11.2011 | 17:55  
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Sven Schülte aus Eimsbüttel | 08.02.2012 | 17:36  
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