Reiherstieg: Hier leben Menschen in ihren Autos

Sie fühlen sich belästigt: Bettina Völker (mit Hund Elvis) und Serkan Izmansoy aus dem Vogelhüttendeich. Links im Bild: drei der Autos, die allem Anschein nach zum Übernachten dienen. Foto: cvs
 
Blick ins Wageninnere: zurück-geklappte Rückbank, behelfsmäßiges Bettzeug – hier schläft ganz offensichtlich jemand. Foto: CVS

Viele Zuwanderer aus Bulgarien haben keine fest Bleibe –
Anwohner empört über Müll in der Nachbarschaft

Von Christopher von Savigny.
Wer solche Nachbarn hat, ist wirklich nicht zu beneiden: Sie vermüllen die Gegend, pinkeln gegen die Hauswände und machen nachts soviel Lärm, dass die umliegenden Bewohner nicht schlafen können. „Die
Situation ist nicht nur völlig inakzeptabel, sondern mittlerweile auch gefährlich geworden“, sagt Bettina Völker, Anwohnerin des Vogelhüttendeichs.
Schon seit Jahren lebt im Reiherstieg eine Gruppe von Einwanderen quasi auf der Straße. Die Wilhelmsburger „Neubürger“ sind offenbar mit dem Auto aus Rumänien und Bulgarien gekommen – das jedenfalls legen einige der Kfz-Kennzeichen vor Ort nahe. Morgens ab 5 Uhr stehen die Männer aus der (rund 15 bis 20 Personen fassenden) Gruppe am Straßenrand in der Hoffnung, einen Tagesjob zu ergattern.
Da nur wenige dieser Einwanderer einen feste Bleibe haben, wird in den Autos übernachtet, die vornehmlich im Vogelhüttendeich und im Ilenbrook geparkt sind. „Dadurch gehen uns die Parkplätze verloren“, klagt Völker. „Häufig werden wir beschimpft, einmal ist eine Frau belästigt worden“, berichtet sie. Etliche Anwohner seien bereits weggezogen. „Als Hausbesitzerin kann ich das leider nicht!“
Die Wilhelmsburger Polizei bestätigt im Wesentlichen die Schilderungen der betroffenen Anwohner. Allerdings sei ihnen aktuell keine Beschwerde bekannt, erklärt ein Beamter, der nicht genannt werden möchte. Sobald ein Fall von Vermüllung, Wildpinkelei, Falschparken oder ähnliches gemeldet werde, gehe man dem nach. Zum Thema „Schlafen im Auto“ sagt der Beamte: „Generell ist das nicht verboten. Nur wenn eine Wohnsituation daraus wird, muss man das unterbinden.“
Treffpunkt der Gruppe ist offenbar ein Café, das in den vergangenen Jahren bereits zweimal in den Schlagzeilen war: einmal ging es um versuchte Brandstiftung, einmal um eine Schlägerei. Von den besagten „Schlafautos“ auf der Straße tragen viele im Übrigen gar kein Nummernschild. Sobald die Polizei deswegen einen roten Zettel an die Windschutzscheibe klemme, werde der Wagen einfach umgeparkt und der Zettel weggeschmissen, sagt Völker.

Zuwanderer
aus Bulgarien

Auf der Suche nach Arbeit sind offiziell rund 1.200 Bulgaren nach Wilhelmsburg gekommen. Die tatsächliche Zahl liegt vermutlich weit höher. Viele leben in schwierigen Verhältnissen: ohne Krankenversicherung, ohne Wohnung, nicht selten abgezockt als Untermieter eines Untermieters, manche schlafen in Autos.
Morgens in aller Frühe stehen die Männer am Stübenplatz auf dem „Arbeiterstrich“ und hoffen darauf, für einen Tag einen schlecht bezahlten Job zu ergattern.

Schlafen im Auto
Generell darf ein Fahrer seinen Wagen am Straßenrand parken und darin nächtigen – vorausgesetzt, dort ist das Parken erlaubt. Wer jedoch Müll hinterlässt oder sogar auf die Straße oder auf den Gehweg uriniert, muss mit Strafen rechnen.
Ebensowenig darf das Fahrzeug als Dauerbehausung verwendet werden. Nachtschwärmer, die sich zu betrunken fühlen, um mit dem Auto loszufahren, dürfen im Allgemeinen gerne ein
Nickerchen machen.
Tipp: Nicht den Schlüssel ins Zündschloss stecken und auch nicht auf dem Fahrersitz einschlafen – dies könnte im Zweifelsfall als Fahrversuch gewertet werden
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1 Kommentar
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Hamburgerin Wilhelmsburgerin aus Wilhelmsburg | 02.11.2016 | 12:42  
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