Räumung steht bevor

Zomia-Mitglied Simon hat in den letzten Monaten oft mit Presse und Verwaltung gesprochen: „Man lernt eine Menge über Stadtpolitik“, sagt er. Foto: cvs (Foto: cvs)

Bauwagenplatz: Letzte Frist abgelaufen, Bezirksamt macht ernst

von Ch. v. Savigny

Jetzt wird es ernst für die Bauwagengruppe „Zomia“ am Ernst-August-Kanal: Eine letzte Frist des Bezirksamts Mitte für einen freiwilligen Umzug der Bewohner ist in den vergangenen Tagen abgelaufen. Bezirksamtsleiter Markus Schreiber scheint fest entschlossen, das Gelände innerhalb der nächsten Wochen räumen zu lassen.
„Die Anordnung der sofortigen Vollziehung wird jetzt zugestellt“, sagt Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland in bestem bürokratendeutsch. Zwar rechne man „hundertprozentig“ mit einem Einspruch der Bewohner – dies werde der Gruppe allerdings nur einige Tage Aufschub bringen, so Weiland. Parallel hofft das Bezirksamt weiterhin auf eine friedliche Beilegung des Konflikts. „Wir haben ja Ersatzflächen vorgeschlagen. Vielleicht wird eines dieser Angebote doch noch angenommen“, so die Sprecherin abschließend.
Ein knappes Jahr lebt die Bauwagengruppe mittlerweile in Wilhelmsburg, davon die letzten zehn Monate auf einer Waldlichtung am Honartsdeicher Weg. Derzeit wohnen hier 15 junge Leute – Schüler, Studenten, Handwerker und Selbstständige – zwischen 19 und 36 Jahren, die sich auf elf Bauwagen verteilen. Mittlerweile funktioniert die Versorgung recht gut: Es gibt Koch- und Waschgelegenheiten, ein Kompostklo, Heizöfen (für Holz und Holzbriketts) und sogar Strom, der mit Sonnenenergie erzeugt wird. Die Bewohner sind auf der Suche nach einem „experimentellen und selbstbestimmten Leben fernab von kapitalistischer und leistungsökonomischer Verwertung“ – so kann man es auf ihrer Homepage nachlesen. „Es war ein schönes, aber auch anstrengendes Jahr“, erklärt Simon, einer der Bauwagenbewohner. Die Querelen mit der Bezirksverwaltung hätten viel Kraft gekostet.
Während in Wilhelmsburg Bauwagen unerwünscht sind, zeigt ein benachbarter Bezirk, dass es auch anders geht: Für zwei Plätze in Altona wurden gerade die Nutzungsverträge verlängert. „Wir sind der Meinung, dass Bauwagenplätze eine Berechtigung als alternative Wohnform haben“, sagt der Altonaer Bezirksabgeordnete Mark Classen (SPD). Auf Hilfsangebote vom nördlichen Elbufer darf Zomia trotzdem nicht hoffen: „Das ist Bezirkssache, wir mischen uns da nicht ein“, betont Classen.
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