Protestler kamen zu spät

Eine Gruppe von Wilhelmsburger Naturschützern steht zwischen den traurigen Resten des einstigen Sumpfwaldes. Sie kam zu spät, um die Baufahrzeuge noch aufzuhalten. Foto: ad

Als die Baumschützer kamen, war die Fläche an der Dratelnstraße bereits komplett gerodet

von Angela Dietz

Trotz massiver Kritik wurde für die internationale Gartenschau (igs) erneut ein wertvolles Biotop mit rund 100 Bäumen zerstört. Als ein paar Baumschützer vor wenigen Tagen auf dem Gelände an der Dratelnstraße Widerstand leis-ten wollten, war es bereits zu spät: die vier Hektar große Fläche war komplett gerodet. Der auf einer Brache gewachsene Sumpfwald war Heimat für Insekten und Vögel, die auf der Roten Liste besonders gefährdeter Arten stehen. Stattdessen werden dort nun für die igs 1.300 Parkplätze gebaut.
Eigentlich ist die gesetzlich festgelegte Fällsaison seit dem 15. März beendet. Nur mit Sondergenehmigung des Bezirks Mitte konnte die igs jetzt noch fällen. Begründung: die späte Baugenehmigung sorgte für Verzögerungen. Neben denen an der Dratelnstraße werden weitere 1.550 Parkplätze am Reiherstiegknie gebaut. „Zwei anbindungsnahe Besucherparkplätze sind für eine Internationale Gartenschau mit geplanten 2,5 Millionen Gästen unerlässlich“, heißt es aus der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.
Das Biotop liegt inmitten eines Gewerbegebiets, durch das die Lkws donnern. Gegenüber steht das riesige Auslieferungslager einer großen Supermarktkette. „Das Absäbeln und Plattmachen von Natur hört einfach nicht auf“, schimpft Andrea Miragaya mit ihrem 14-monatigen Sohn Luis auf dem Arm. Der gewachsene Reichtum der Natur sei für immer zerstört. „Ich möchte, dass mein Sohn noch auf Bäume klettern kann, anstatt dafür teuren Eintritt zahlen zu müssen“, wünscht sie sich in Anspielung auf die neu eröffnete Kletterhalle.
Die igs verweist auf die Ausgleichspflanzungen im Osten Wilhelmsburgs und betont ihre Rolle als „Zwischennutzer“ des Areals. Zwischennutzung? Nach dem Austellungsjahr 2013 werden die Parkplätze nicht mehr benötigt. Wohnungsbau wurde zwischenzeitlich ins Gespräch gebracht. „Aber wer will denn neben einer Lackfabrik wohnen?“, fragt Sigrun Clausen von der Gruppe „Baum und Busch“ kopfschüttelnd.

Zwei bundesweit gefährdete Insektenarten, die Große Goldschrecke und die Kurzflügelige Schwertschrecke, lebten in dem Biotop an der Dratelnstraße. Außerdem soll im vergangenen Jahr ein Gelbspötter-Paar dort gebrütet haben. Von dieser ebenfalls gefährdeten Art gibt es laut Naturschützern in Hamburg gerade noch drei, vier Paare.
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