Protest gegen Schwimmbad-Abriss

Das Hallenbad Wilhelmsburg wird im September abgerissen – letzter Öffnungstag ist der 31. August. Foto: cvs

Anwohner sammeln Unterschriften gegen den geplanten Abriss im September, Vereine fordern Schadenersatz

von Ch. v. Savigny

Wilhelmsburgs Schwimmer müssen sich ab Herbst dieses Jahres auf weite Wege einstellen: Das Hallenbad in der Dratelnstraße wird bereits im September abgerissen. Letzter Öffnungstag ist der 31. August. Hintergrund für den Abriss sind die Arbeiten am benachbarten Kanukanal, auf dem Besucher 2013 durchs Gelände der Internationalen Gartenschau (igs) paddeln sollen. „Die Arbeiten würden die Statik der Schwimmhalle gefährden“, so Projektleiterin Käthe Fromm vom zuständigen Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer.
Das neue Schwimmbad, die sogenannte „Inselparkhalle“ der igs, soll nicht vor April 2013 fertig sein. Damit entsteht eine Lücke von rund sieben Monaten ohne Schwimmmöglichkeit.
Gegen die Planungen gehen Schwimmfans und Vereine auf die Barrikaden: „Die Verantwortlichen können sich auf Schadensersatzforderungen in Höhe von 25.000 Euro gefasst machen“, sagt Hartmut Wirl, Interims-Geschäftsführer beim Turn- und Schwimmverein Harburg/Wilhelmsburg (TuS). Rund 120 Schwimmer sind beim TuS betroffen. „Faktisch bedeutet das eine Stillegung unserer Vereinsarbeit“, so Wirl.
Laut Schwimmbadbetreiber Bäderland wurden Schulen und Vereine bereits im Oktober über die Schließung informiert. „Seither laufen die Abstimmungen über Ausweichangebote. Für die Schulen sind sie erfolgreich abgeschlossen, für die Vereine noch nicht“, erklärt Bäderland-Sprecherin Kirsten Morisse. Laut Schwimmverband nutzen Schwimmvereine das Wilhelmsburger Hallenbad durchschnittlich 25 Stunden pro Woche.
Auch Privatleute machen gegen das Vorhaben mobil: „Ich bin begeisterter Schwimmer und gehe mit meinen Kindern regelmäßig ins Hallenbad Wilhelmsburg“, sagt Stefan Waterkamp, wohnhaft im Reiherstiegviertel. Der Rechtsanwalt hat eine Online-Unterschriften- sammlung gestartet, die Ende März der Bürgerschaft übergeben werden soll. „Entweder, die Arbeiten am Kanukanal werden gestoppt, bis das neue Schwimmbad fertig ist“, fordert er. „Oder es werden Spundwände eingesetzt, damit das alte Bad stehenbleiben kann.“ Diese Spundwände würden nach Auskunft des LSBG mindestens eine Million Euro kosten – offenbar zu viel für den Erhalt des Schwimmbads.

Link für die Online-Petition: http://www.openpetition.de/petition/online/keine-s... -vor-eroeffnung-der-inselpark halle

Schwimmbad: Wortbruch der IBA?
Im Rahmen der Schwimmbadplanungen hatte die Internationale Bauausstellung (IBA) immer wieder betont, es werde einen nahtlosen Übergang zwischen der Schließung des alten und der Eröffnung des neuen Schwimmbads geben. „Herr Hellweg (IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg, d. Red.) hatte uns das bereits 2007 bei einer Sitzung des Stadtplanungsausschusses versichert“, sagt der Harburger CDU-Chef Ralf-Dieter Fischer. Die Kreispolitik fühlt sich nun um eine Abmachung betrogen: „Um der IBA entgegenzukommen, hatten wir uns extra beeilt, insgesamt vier Bebauungspläne auf den Weg zu bringen.“
Die IBA will im Gegensatz dazu keine Zusagen gemacht haben: „Es war immer das Ziel aller Beteiligten, den Betrieb der Schwimmhalle in Wilhelmsburg Mitte nicht zu unterbrechen“, sagt IBA-Sprecherin
Kristina Hödl. „Wir bedauern sehr, dass es nun dazu kommt, dass die neue Schwimmhalle erst ein paar Monate nach der Schließung der alten eröffnen kann.“ Es seien unvorhergesehene Probleme und Schwierigkeiten aufgetaucht, die zu Verzögerungen führten. „Das ist insbesondere der Sicherung der Finanzierung geschuldet“, so Hödl.
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