Pro Familia weg aus Wilhelmsburg

Keine Schwangeren-Beratung mehr vor Ort – nächster Standort ist in Harburg

von Anna Sosnowski

Pro Familia hat seine Beratungsstelle im Vogelhüttendeich aus finanziellen und personellen Gründen geschlossen. „Wir waren schon lange am Rande unserer Kapazitäten“, sagt Kerstin Falk, Geschäftsführerin von Pro Familia Hamburg. Neben der Zentrale im ehemaligen Hafenkrankenhaus in St. Pauli betreibt die größte nicht-staatliche Organisation für Sexual-, Schwangerschafts- und Partnerberatung in Deutschland drei Außenstellen in Hamburg. Wilhelmsburg war die kleinste dieser Außenstellen.
Falk: „Um alle Standorte zu betreiben, hätten wir mehr Stellen kriegen müssen.“ Doch die gab es nicht. Bis Ende Januar waren in der Beratungsstelle drei Mitarbeiterinnen, darunter eine Ärztin und eine Sozialarbeiterin, drei Stunden die Woche vor Ort. Ursprünglich eingerichtet wurde die offene Sprechstunde 1980, weil es in Wilhelmsburg viele, meist türkische Frauen gab, die Hilfe bei der Familienplanung und Schwangerschaftsverhütung brauchten. Deshalb sei auch eine türkischsprechende Mitarbeiterin vor Ort gewesen, so Falk. „Damals kamen pro Sprechstunde etwa zehn Frauen. Hauptsächlich ging es darum, dass sie die Familienplanung an ihren Männern vorbei steuern wollten“, erklärt sie. Seit es aber die Sozialpille nicht mehr gibt, die Sozialhilfe-Empfängerinnen kostenlos bekamen, sei die Zahl der Ratsuchenden immer weiter gesunken – bis zuletzt nur noch etwa fünf Frauen wöchentlich den Weg in die Beratungsstelle fanden. Wer heute kommt, habe zudem meist Probleme in vielen Lebensbereichen. „Deshalb ist eine Mehrfachberatung notwendig“, sagt Falk. Dafür habe man im Beratungszentrum St. Pauli ausreichend Personal.
Pro Familia wird jährlich mit rund 750.000 Euro von der Gesundheitsbehörde gefördert. Die Beratungsstelle sei im Einvernehmen mit der Behörde geschlossen worden, so Sprecher Rico Schmidt. Einen Versorgungsengpass sieht er nicht: „Es besteht die Möglichkeit, sich bei den in Wilhelmsburg ansässigen und als Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen anerkannten Ärzten beraten zu lassen.“ Außerdem sei sowohl der Hauptsitz von Pro Familia in St. Pauli als auch die Beratungsstelle in Harburg (Am Wall 1, dienstags 9.30 bis 12.30 Uhr, S 766 68 12) mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.
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