Politneuling will in die Bürgerschaft

Mustafa Yaşar möchte sich in der Bürgerschaft für sein Korallusviertel einsetzen.

Mustafa Yaşar aus Wilhelmsburg tritt als Einzelbewerber im Wahlkreis 2 an

Anna Sosnowski, Wilhelmsburg

Fast jeder, dem Mustafa Yaşar im Korallusviertel begegnet, grüßt ihn – mal auf deutsch, mal auf türkisch. „Man kennt mich hier“, sagt der 47-Jährige, der im Südosten der Türkei aufgewachsen ist und seit 34 Jahren in der Hochhaussiedlung in der Nähe des Wilhelmsburger S-Bahnhofs lebt. Auf diesen Bekanntheitsgrad setzt der Deutschtürke jetzt, denn er soll ihm einen Sitz in der Bürgerschaft sichern. Der Bahnangestellte tritt bei der Bürgerschaftswahl am 15. Februar als Einzelbewerber im Wahlkreis 2 Billstedt, Wilhelmsburg, Finkenwerder an. Sein Motto: „Warum nicht!“.
Dass er keine Partei im Rücken hat, sieht der Politneuling als Chance und nicht als Nachteil. „Ich muss keiner Parteilinie folgen und kann meine Meinung vertreten“, sagt der Wilhelmsburger. Das hat er bereits über zehn Jahre lang im Stadtteilbeirat als Vertreter des Korallusviertels gemacht. Jetzt will sich Yaşar in der Bürgerschaft für ganz Wilhelmsburg engagieren. „Ich bin durch und durch Insulaner“, sagt er.

Enttäuscht von
den Politikern

Der zweifache Familienvater lebt gerne im Korallusviertel. Er will nicht wegziehen, auch wenn die Siedlung viele Probleme hat. Weil die Gagfah, einziger Vermieter im Quartier, Häuser und Spielplätze verkommen lasse, weil die Polizei nichts gegen die offene Drogenszene und illegale Glücksspiellokale unternehme, weil immer mehr deutsche Familien wegzögen und die Mischung nicht mehr stimme. Yaşar kennt den Frust der Menschen im Viertel und will die Missstände bekämpfen. Von der Politik ist er enttäuscht. „Wir haben zwei Bundestagsabgeordnete, die aus Wilhelmsburg stammen. Die Bausenatorin lebt hier. Die kennen doch diese Zustände. Warum greifen sie nicht ein?“, fragt er.
Der Politneuling rechnet sich bei der Wahl gute Chancen aus, auch wenn ihm klar ist, dass es nicht einfach wird, sich als Einzelkämpfer gegen die Kandidaten der etablierten Parteien durchzusetzen. Er hofft, dass viele Wilhelmsburger mit ausländischen Wurzeln, die bisher traditionell SPD oder die Grünen gewählt haben, jetzt auf ihn setzen. „Ich möchte aber nicht Kandidat der Migranten sein, sondern aller Bürger“, betont Yaşar. Deshalb will er bis zur Wahl viele Einrichtungen und Wochenmärkte besuchen und Gespräche führen, um möglichst viele Menschen von sich zu überzeugen.
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