Pierre Vogel zieht in Saga-Wohnung auf der Elbinsel

Pierre Vogels Popularität scheint zu schwinden: 2011 kamen 1.100 Menschen zum Dammtor, um ihm zu lauschen, am 19. Juli waren es nur noch 250. Foto: pr (Foto: Reinhard Schwarz)

Salafisten-Prediger lebt jetzt mit seiner Familie in Wilhelmsburg

Seit einer Woche nennt er die Elbinsel sein Zuhause: Salafisten-Prediger Pierre Vogel hat gemeinsam mit seiner Frau und seinen vier Kindern eine Wohnung in Wilhelmsburg bezogen. Bei seiner Kundgebung am Hauptbahnhof am 19. Juli hatte der mit 22 Jahren zum Islam konvertierte Deutsche mit dem roten Bart angekündigt, er wolle seinen Wohnsitz nach Hamburg verlegen (das Wochenblatt berichtete). Wenige Tage später ließ der Ex-Profiboxer und Hartz-IV-Empfänger seinen Worten Taten folgen und zog ausgerechnet in eine Wohnung der städtischen Saga/GWG in der Rotenhäuser Twiete.
Ein Freund aus der Szene hat die 78 Quadratmeter große Wohnung an Vogel und dessen Familie untervermietet. Die Saga hatte zuvor einem Untermietvertrag für ein Jahr zugestimmt – der zuständige Mitarbeiter in der Wilhelmsburger Geschäftsstelle wurde bei dem Namen Pierre Vogel offenbar nicht stutzig. Grundsätzlich hätte die Saga seinen Einzug jedoch nicht verhindern können, so Saga-Sprecherin Kerstin Matzen. „Es gibt keine rechtlichen Gründe, das Untermietverhältnis abzulehnen“, erklärt sie. Wenn der Vertrag im Juli 2014 ausläuft, müssen der 36-Jährige und seine Familie jedoch wieder ausziehen. Matzen: „Eine Option auf Verlängerung besteht nicht.“
Der Prediger, der eine besonders fundamentalistische Ausrichtung des Islams vertritt, wird vom Verfassungsschutz beobachtet. „Wir wissen, dass Pierre Vogel die Nähe zur dschihadistisch-salafistischen Szene sucht“, sagt Marco Haase vom Landesamt für Verfassungsschutz. Ein Hinweis darauf sei, dass Vogel in der Vergangenheit mehrfach die Harburger Taqwa-Moschee besucht und dort Vorträge gehalten habe. Die Moschee gilt als einer der wichtigsten Anlaufpunkte in Hamburg für radikale und gewaltbereite Salafisten.
Doch Vogel ist auch in der Salafisten-Szene umstritten. Seine aufmerksamkeitsheischenden One-Man-Shows kommen nicht bei allen gut an. Laut Verfassungsschutz habe der Islamist seine bisherige Wirkungsstätte Nordrhein-Westfalen verlassen, weil er dort an Bedeutung verliere und in Hamburg neue Anhänger suche. In der Hansestadt stieg nach Angaben der Verfassungsschützer die Zahl aktiver Salafisten in diesem Jahr auf 240 – 2013 waren es noch 200.


Reaktionen aus Bezirksamt und Politik:
Im Bezirksamt Hamburg-Mitte ist man alles andere als glücklich über den Neu-Wilhelmsburger. „Herr Vogel ist hier nicht willkommen“, sagt Bezirksamtsleiter Andy Grote. Wilhelmsburg habe eine vielfältige, kulturell und religiös gemischte Bewohnerschaft, in der man sich mit Toleranz begegne. „Der Steinzeit-Islam der Salafisten hat da keinen Platz“, so Grote. Er betont: „Wir werden in unseren Jugendhilfeeinrichtungen keine salafistischen Aktivitäten dulden.“
Viele Wilhelmsburger machen sich dennoch Sorgen um ihre Kinder, sagt Grünen-Bezirkspolitiker und Muslim Bayram Inan. „Ich habe mit einigen Muslimen gesprochen, die regelrecht Angst haben. Sie fürchten, dass er ihre Kinder in seinen Kreis ziehen könnte“, so Inan. Er plädiert dafür, erst mal Ruhe zu bewahren und die Situation zu beobachten. Kesbana Klein, SPD-Lokalpolitikerin aus Kirchdorf-Süd, frisch gewähltes Mitglied der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte und deutsche Konvertitin zum Islam, möchte sich nicht öffentlich zu dem umstrittenen Neu-Wilhelmsburger äußern. Dafür kommentiert ihr Parteifreund und ebenfalls Mitglied der Bezirksversammlung, Klaus Lübke, Vogels Umzug auf die Elbinsel: „Ein gutes Zusammenleben der Menschen auf den Elbinseln geht nur mit gegenseitigem Respekt und Akzeptanz. Die radikalen Parolen eines Herrn Vogel schaden diesem Ziel. Daher ist sein Bedeutungsverlust zu begrüßen, und auch dass er weiterhin vom Staat beobachtet wird.“
Der Vorsitzende der CDU Wilhelmsburg, Lukas Skwiercz, bedauert, dass die Saga an Vogel vermietet hat, obwohl dieser schon länger vom Verfassungsschutz beobachtet wird. „Zudem liegt die Wohnung in der Nähe einer Schule. Wir müssen sicherstellen, dass hier nicht auf Jugendliche Einfluss genommen werden kann“, so das Mitglied der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte.
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7 Kommentare
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 30.07.2014 | 11:11  
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Jens Ranft aus Wilhelmsburg | 01.08.2014 | 10:28  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 01.08.2014 | 10:51  
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Dominik Hmann aus Wilhelmsburg | 01.08.2014 | 12:26  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 01.08.2014 | 16:12  
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Dominik Hmann aus Wilhelmsburg | 01.08.2014 | 17:09  
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 01.08.2014 | 17:15  
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