Pflegemutter: „Ich versteh das Jugendamt nicht“

Sonja Moschella (59) war zehn Jahre lang Pflegemutter. Als sie erneut ein Kind als Tagesmutter betreuen wollte, machte das Jugendamt plötzlich Schwierigkeiten. Foto: pit

Wilhelmsburgerin bewährte sich zehn Jahre lang als Pflegemutter,
doch ein weiteres Kind wollte ihr das Amt damals nicht geben

Sonja Moschella liebt Kinder über alles. Wenn sie mitbekommt, dass eines in Not ist, wird sie aktiv. Auf diese Weise kam die heute 59-Jährige vor über 20 Jahren unverhofft zu einem Pflegekind. „Ich war zehn Jahre lang Pflegemutter“, erzählt die Wilhelmsburgerin. Als sie nun vom Tod der elfjährigen Chantal erfuhr, die vor drei Wochen in der Wohnung ihrer Pflegeeltern an einer Methadonvergiftung starb, war sie entsetzt. „Wie konnte das Jugendamt diese Leute als Pflegeeltern einsetzen?“, fragt sie fassungslos.
Moschella kann die Entscheidungen des Amts nicht nachvollziehen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sie selbst gerne noch ein Kind zu sich genommen hätte, als Tagesmutter. Doch das Jugendamt lehnte ab. „Mich wollten die nicht, aber Junkies können Pflegeeltern werden, das ist doch unerhört!“, findet sie.
Ihr Pflegekind Jan kam 1989 als Säugling in die Familie, „weil seine Mutter sich nicht ihm ihn gekümmert hat“, so Moschella. Erst betreute sie das Baby als Tagesmutter, ein Jahr später wurde sie dann offiziell seine Pflegemutter. „Irgendwann schrieb mir das Amt, dass ich nun staatlich geprüfte Pflegemutter bin“, schmunzelt sie.
Die anfänglich noch regelmäßigen Besuche eines Behörden-Mitarbeiters hörten bald auf, denn bei Moschellas war immer alles in Ordnung. Der Junge wuchs und gedieh und verstand sich
bestens mit seiner zwölf Jahre älteren Stiefschwester Daniela. „Er war ein Sonnenschein“, erinnert sie sich.
Im Alter von zehn Jahren wollte Jan jedoch zurück zu seinem leiblichen Vater, zu dem der Kontakt in all den Jahren aufrecht gehalten wurde. „Ich war sehr traurig“, so Moschella.
Sie entschied sich damals, erneut ein Kind zu sich zu nehmen. Überraschenderweise sperrte sich das Jugendamt. „Die wollten plötzlich alles mögliche überprüfen, obwohl ich doch zehn Jahre lang Pflegemutter gewesen bin“, wundert sie sich. „Das war mir dann irgendwann zu dumm, da habe ich meinen Antrag zurückgezogen.“ Das war vor 15 Jahren.
Damals wie heute werden laut Sozialbehörde dringend Pflegeeltern gesucht. 1.300 Kinder leben zurzeit in Hamburg bei Pflegeeltern, rund 2.100 Kinder sind in Heimen untergebracht.
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