Opernfundus bedroht Elbinsel-Kreative

Sie protestieren gegen ihren Rausschmiss: die 36 Künstler, Händler und Handwerker der Zinnwerke.

Zinnwerke vor dem Abriss: 36 Mieter müssen gehen

von Ch. v. Savigny

Der Elbinsel droht ein florierendes Kunst- und Gewerbezentrum abhanden zu kommen: Die Kulturbehörde will auf dem Gelände der Zinnwerke Am Veringhof eine Lagerhalle für die Requisiten der Hamburgischen Staatsoper errichten lassen. 36 Mietparteien müssen ausziehen, darunter zwei Kfz-Betriebe, ein Getränkemarkt sowie mehrere Künstler und Designer. Doch die wehren sich.
Auch die bereits zweimal für den Grimme-Preis nominierte Kult-Kochsendung „Konspirative Küchenkonzerte“ ist betroffen. „Wir haben alle für den 30. Juni eine Kündigung bekommen“, bestätigt Hauptmieter und Küchenkonzert-Produzent Marco Antonio Reyes Loredo. Vermieter der Räumlichkeiten ist die städtische Sprinkenhof AG.
Hintergrund für den Rausschmiss ist die Wohnungsnot in der Hansestadt: So werden die ehemaligen Standorte des Opernfundus (unter anderem in Barmbek-Nord) für neue Wohngebäude benötigt. Am Veringkanal soll dafür ein bis zu 18 Meter hoher Neubau entstehen, der Kostüm-, Masken- und Kulissenfundus unter einem Dach vereinigt. Pikant: Nach einer im letzten Jahr veranlassten Studie gibt es in Hamburg zwei Standorte, die sich besser für den Opernfundus eignen – in Billbrook und in Moorfleet. Trotzdem votierte die zuständige Finanzbehörde für die Elbinsel. Es sei eine „standortpolitische Entscheidung“ gewesen, erklärt Behördensprecher Daniel Stricker. „Die Fläche in Wilhelmsburg stand uns unmittelbar zur Verfügung.“ Auch der Profitgedanke scheint eine Rolle zu spielen. „Die anderen Flächen bieten mehr Potenzial, an private Gewerbetreibende vermietet zu werden“, so Stricker.
In dem rund 100 Jahre alten Backsteingebäude am Veringkanal arbeiten Bildhauer, Kulturwissenschaftler und Projektmanager. Insgesamt 24 Arbeitsplätze in der Kreativwirtschaft sind betroffen. Reyes Loredo hatte sogar schon weitere Mietinteressenten an der Hand – das Café „Blaues Gold“ und die Mosterei „Das Geld hängt an den Bäumen“, ein Behindertenprojekt. Auch die Musiker von „Deichkind“ hatten Interesse signalisiert. Mit einer Info-Broschüre über die Zinwerke haben sie sich jetzt an die Öffentlichkeit gewandt. „Wir sind keine spinnerte Idee, sondern etwas ganz Reales“, betont Reyes Loredo.

Stimmen für den Erhalt der Zinnwerke:

Das drohende Aus für die Zinnwerke hat viel Staub aufgewirbelt – nicht nur im Stadtteil, sondern auch darüber hinaus. Hier ein paar Stimmen:
Uli Hellweg, Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA): „Hochkultur darf die Kultur der Basis nicht verdrängen. Die IBA Hamburg hat bewusst eine kulturell geprägte Entwicklung am Veringkanal gefördert. Zudem erschwert der Neubau durch seine Größe den Zugang zum neu gestalteten Kanalufer. Damit widerspricht das Projekt unserer Philosophie, Zugänge zu den Wasserflächen auf den Elbinseln sowie eine frühe Bürgerbeteiligung zu schaffen.“
Andy Grote, Leiter des Bezirksamts Mitte: „In den ehemaligen Zinnwerken am Veringhof ist eine sehr wertvolle, kreative Keimzelle entstanden, die auf alle Fälle unterstützenswert ist. Jetzt gilt es, gründlich zu prüfen, wie die Zukunft der Kreativen am Standort Zinnwerke oder in unmittelbarer Umgebung gesichert werden kann.“ Auch der Regionalausschuss Wilhelmsburg-Veddel hat sich in seiner letzten Sitzung für den Erhalt der Einrichtung ausgesprochen.
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Hans-Jürgen Maass aus Wilhelmsburg | 12.04.2013 | 04:36  
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