Nur Wenige wollen parken

Ingo Wolf aus Marmstorf findet die Einführung der P+R-Gebühren nicht gut: „Das ist nichts weiter als eine versteckte Fahrpreiserhöhung“, sagt er. (Foto: Christopher von Savigny)

Gebührenpflicht auf P+R-Plätzen: Auch auf der Veddel bleiben die
Nutzer weg – Behörde plant hier Flüchtlinge unterzubringen

von Christopher von Savigny, Wilhelmsburg
Gähnende Leere an einem Mittwochnachmittag im Park-and-ride-Parkhaus (kurz: „P+R“) am S-Bahnhof Veddel: Eigentlich sollten um diese Zeit etliche Berufstätige unterwegs sein, doch auf den Parkdecks findet man kaum ein Auto, viele der insgesamt 677 Plätze sind leer. Seit Ende Juli kostet das Parken auf Hamburgs P+R-Plätzen Geld: Zwei Euro pro Tag, 20 Euro im Monat oder 200 Euro im Jahr sind zu berappen. Viele wollen nicht so viel Geld ausgeben.
„Im Grunde ist es nichts anderes als eine versteckte Preiserhöhung für das HVV-Ticket“, sagt Ingo Wolf aus Marmstorf, einer der wenigen P+R-Nutzer auf der Veddel. Leider könne er nicht auf den Parkplatz verzichten, da er die Strecke täglich fahre. Ein anderer Autofahrer, der ungenannt bleiben möchte, sucht schon nach Alternativen: „Ich komme aus Niedersachsen und könnte auch in Hittfeld in die Bahn umsteigen“, sagt er. „Dort kostet das Parken nichts. Aber dafür sind die Verbindungen schlecht!“
Auch die Park-and-ride-Betriebsgesellschaft räumt ein, dass die Einführung der Gebührenpflicht zu einem deutlichen Rückgang an Parkplatznutzern geführt hat. „Das ist in der Tat so“, sagt Geschäftsführer Heino Vahldieck. Genauere Angaben könne er allerdings nicht machen, da offiziell nicht gezählt werde. Überrascht ist Vahldieck keineswegs. „Es war zu erwarten, dass die Autofahrer jetzt erstmal woanders parken und dann lieber ein Stück zu Fuß gehen anstatt Geld zu bezahlen.“ Mit Beginn der kälteren Jahreszeit werde sich das Belegungsniveau wieder einpendeln, ist sich Vahldieck sicher.
Möglicherweise wird dann ein Teil der Außenfläche nicht mehr fürs Parken genutzt werden können. Denn hier will die Sozialbehörde, wie bereits berichtet, etwa 50 Wohncontainer für Flüchtlinge aufstellen. Ein genauer Zeitpunkt steht noch nicht fest. Es handele sich jedoch um eine Zwischenlösung zur Beseitigung einer aktuellen Notlage, heißt es aus der Behörde.



Wilhelmsburg: P+R-Haus bleibt kostenfrei
Insgesamt hat Hamburg 49 P+R-Anlagen, 15 davon sind seit dem Sommer kostenpflichtig. Der Rest soll nach und nach dazukommen. Zuvor werden sie modernisiert und mit Video- und Notrufsystem, Beleuchtung und zum Teil auch Servicepersonal ausgestattet. Ausnahme: Das P+R-Parkhaus am Bahnhof Wilhelmsburg mit 186 Plätzen wird wohl dauerhaft von einer Gebührenerhebung verschont bleiben, da es vom dortigen Marktkauf mitbetrieben wird. „Es gab damals die Auflage, dass Marktkauf das als größter Betrieb im Einkaufszentrum in die Hand nimmt. Mit der Anlage haben wir nichts zu tun“, so Vahldieck. CVS
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