Nur freundlich gestellt?

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel im Gespräch mit Abiturienten der Nelson Mandela-Schule und des Kiwi-Gymnasiums. (Foto: sk)

SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach mit Wilhelmsburger Schülern

von Steffen Kozieraz

SPD-Chef Sigmar Gabriel wollte sich vergangene Woche den Fragen von zehn Abiturienten mit Migrationshintergrund stellen. Der Spitzenpolitiker war wegen des 50. Jahrestags des Gastarbeiter-Anwerbeabkommens mit der Türkei angereist und hatte vor einem offiziellen Termin noch etwas Zeit. Im Haus der Jugend Kirchdorf war es dann allerdings zunächst Gabriel, der die Fragen stellte.
„Wer von euch geht hier regelmäßig ins Haus der Jugend?“, wollte Gabriel wissen – und war kurz irritiert, als neun der zehn Schüler den Kopf schüttelten. Ob sie überhaupt freiwillig hier wären, wollte er daraufhin wissen. Gabriel interessierte, wie die Jugendlichen ihre Schule bewerten, warum Sie als Migrantenkinder das Abitur schaffen und so viele andere nicht? Was sie denn mal werden wollen?
Gabriel ließ die Schüler reden, gab einen guten Zuhörer und Diskussionsleiter. Man merkte ihm seinen ehemaligen Lehrerberuf an, wenn er erklärte, warum viele Deutsche ein Problem mit Kopftüchern haben. Doch als ein albanischstämmiger Schüler bei der Frage nach der Staatsbürgerschaft das Reizwort „Blutsverwandschaft“ fallen ließ, verwandelte Gabriel sich sofort zurück in einen Politiker, der glühend seinen Standpunkt klarmacht. „Es ist ein großer Fehler der Deutschen, dass sie die Staatsbürgerschaft vom Blut abhängig machen“, ereiferte sich der vormals mit einer Türkin verheiratete Gabriel. Dann lehnte er sich als vehementer Gegner des Kopftuchverbotes weit aus dem Fenster und versicherte, dass die Diskussion um das Kopftuch im öffentlichen Dienst sich bald erledigt haben werde.
Berühmt für seine Sprüche, konnte Gabriel auch hier noch einen drauflegen: „Ich kümmere mich darum, dass du Professorin mit Kopftuch und Gehaltsstufe C4 wirst“, sagte er zur der Kopftuch tragenden Zahide. Die Zwölftklässlerin konnte dabei nur betreten lächeln. „Ich glaube, die Kopftuchdiskussion wird sich eher noch verschärfen“, sagte sie.
Auch wenn Gabriel gut mit den Jugendlichen umgehen konnte, so richtig überzeugt hat er sie nicht. „Die problematischen Themen hat er geschickt umgangen. Und wahrscheinlich hat er sich nur freundlich gestellt“, resümiert der 18-jährige Burhan kritisch.
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2 Kommentare
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Arne Bens aus Wilhelmsburg | 13.10.2011 | 23:36  
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 16.10.2011 | 16:53  
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