Noch ein Brandbrief an Schulsenator

Lehrer der Nelson-Mandela-Schule schlagen Alarm – Schulbehörde reagiert verschnupft – Proteste zur IBA-Eröffnung geplant

Gut zwei Monate nach dem ersten Brandbrief ist nun ein zweites Schreiben auf dem Tisch des Schulsenators gelandet. Erst im Dezember hatten 14 Schulleiter der Elbinseln Alarm geschlagen, jetzt legen Lehrer der Nelson-Mandela-Schule nach: Die Belastungsgrenze sei überschritten, das Kollegium könne seine Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen. „Wir schlagen Alarm, weil wir den Schwächsten wie den Stärksten nicht mehr die Förderung geben können, die sie benötigen.“ In der Schulbehörde reagiert man verschnupft.
Rund 1.000 Kinder aus 50 Nationen mit sehr unterschiedlichem Leistungspotenzial werden an der Ganztagsschule unterrichtet. Diese pädagogische Herausforderung werde durch zu große Lerngruppen und Einführung der Inklusion zusätzlich erschwert, sagen die Lehrer. Die per Schulgesetz versprochene Klassengröße von maximal 22 Schülern sei bislang nicht erreicht, eher seien Lerngruppen von bis 28 Schülern – bedingt durch Rückkehrer vom Gymnasium – die Realität. Schon bei 25 Schülern könne ein Lehrer für jeden Schüler nur 3,6 Minuten erübrigen, individuelle Hilfen seien unmöglich, viele Probleme würden „zwischen Tür und Angel“ besprochen. Für so wichtige Dinge wie das Kontrollieren von Bewerbungsunterlagen fehle schlicht die Zeit. „Die Kollegen machen das oft in ihrer Pause“, so Schulleiter Bodo Giese. Deshalb fordern die Lehrer vor allem weitere Ressourcen – in Form von Zeit. Giese: „Kleinere Klassen sind nur eine Maßnahme, viel wichtiger für uns ist der Faktor Zeit.“
Mit der Inklusion habe sich die Leistungsschere in den Klassen noch weiter geöffnet und das Problem verschärft. „Inklusion bringt das Fass zum Überlaufen“, so Giese, betont aber gleichzeitig, dass man nicht die Inklusion an sich kritisieren wolle, sondern lediglich deren Umsetzung. Auch richte sich die Kritik nicht speziell an den Schulsenator. „Das Problem muss die Politik lösen, und Ties Rabe ist für uns die Schnittstelle zur Politik“, sagt der Schulleiter.
Zur Eröffnung der Internationalen Bauausstellung (IBA) am 23. März haben Eltern, Schüler und Lehrer Protestaktionen angekündigt.

Das sagt die Schulbehörde:
Die Schulbehörde hat den Schulleitern nach dem ersten Brandbrief im Dezember Gespräche angeboten. Vier der vereinbarten fünf Gespräche hat es bereits gegeben – bislang ohne Ergebnis. Am 22. März findet das vorerst letzte Gespräch statt. Schulsenator Ties Rabe, der beim ersten Treffen dabei war, wird vielleicht auch am 22. März anwesend sein. „Das hängt davon ab, ob zu dem Zeitpunkt konkrete Lösungen und Maßnahmen feststehen werden“, so Behördensprecher Peter Albrecht.
Während der erste Brandbrief unkommentiert blieb, nimmt die Behörde zum zweiten Schreiben nun Stellung: „Die allgemeinen Schulen haben in den letzten vier Jahren 15 Prozent mehr Personal bekommen, das sind über 1.800 zusätzliche Lehrkräfte und Pädagogen. Eine so gewaltige Verbesserung gibt es in keinem anderen Aufgabenfeld der Stadt. Deshalb sind Alarm- und Brandbriefe in jeder Hinsicht unangemessen“, so Albrecht. Sicher stünden Lehrkräfte heute vor anderen Aufgaben als vor 30 Jahren, doch das gelte für viele Berufsfelder in dieser Stadt. „Diese vielfältigen Aufgaben löst man nicht mit Brandbriefen, sondern durch vernünftiges Denken und Handeln. Dazu laden wir ein. In Wilhelmsburg haben wir entsprechende Gespräche bereits begonnen. Darauf setzen wir“, so der Sprecher der Schulbehörde.
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