Nicht jeder darf Laubenpieper werden

Mustafa Yasar wird kein Gartenpächter, das hat er schwarz auf weiß. Der Vorstand lehnt die Übernahme der abgebildeten Parzelle ab. Foto: tsilis

Mustafa Yasar kann beim Kleingartenverein der
Bahn-Landwirtschaft in Wilhelmsburg keine Parzelle pachten

Von Andreas Tsilis.
Mustafa Yasar ist seit 15 Jahren Mitglied beim Kleingartenverein der Bahn-Landwirtschaft (BLW) Hamburg, Unterbezirk Wilhelmsburg. Er darf keinen Garten pachten, obwohl es in der Gartenkolonie an der Korallusstraße fünf freie Parzellen gibt. „Die Vergabe einer Gartenpacht ist eine freie Ermessensentscheidung“, sagt BLW-Bezirksvorstand Joachim Lühmann. Anders gesagt: Wer einen Garten bekommt, entscheiden einige wenige oberste Laubenpieper. Und bei denen hat Yasar ganz schlechte Karten.
Dabei lief die Karriere Yasars als Hobbygärtner aus seiner Sicht eigentlich ganz rund. Bis 2012 besaß er eine Parzelle, dann kündigte er die Gartenpacht – seit 2013 bemühte er sich um ein neues Fleckchen Erde.

„Regeln nicht eingehalten“

Im Juli 2015 schien der Erfolg zum Greifen nahe, doch der Bezirksvorstand versagte die erforderliche Zustimmung. Auch sei er trotz Zusage, nie in die Warteliste für eine Parzelle aufgenommen worden. „Das ist reine Willkür“, schimpft Yasar. Der Vorstand weist das zurück. Bezirkskassiererin und Vorstandmitglied Heike Eggert: „Herr Yasar hat Regeln nicht eingehalten und gedroht.“
Nach und nach fallen weitere, teilweise anonyme Stellungnahmen, manche purzeln dabei wie faule Äpfel von den Bäumen. Vorstandsnahe Kreise erklären, Yasar habe seinen Garten verkommen lassen und keine Pachtgebühren bezahlt. Nach Angaben von Eggert soll er außerdem „seinen alten Pachtgarten ohne Genehmigung der Pächterin betreten und dort Früchte eines Obstbaumes entwendet haben“.
BLW-Chef Lühmann bezweifelt, dass sich Yasar, hauptberuflich übrigens Aufsichtsbeamter der Hochbahn, ausreichend in die Solidargemeinschaft der Laubenpieper-Kolonie integriert habe. Diese Pflicht ergäbe sich, laut Lühmann, „aus der örtlichen Gartenordnung und den sonstigen Beschlüssen des Unterbezirks“.
Für Yasar sind das „Märchen“, die jeder Grundlage entbehrten: „Alle Pflichten habe ich vollumfänglich, auch finanziell, immer erfüllt.“ Eine Zeit lang überlegte der Geschasste, einen Anwalt einzuschalten. „Aber sollte man wirklich einen Kleingartenverein verklagen?“ Vielleicht hat Yasar in 2019 bessere Karten. Dann wird ein neuer Vorstand gewählt
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1 Kommentar
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 11.10.2015 | 11:57  
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