Neuhof kurz vorm Abriss

Museum zeigt ungewöhnliche Fotodokumentation der Siedlung

Jürgen Schwitzkowski ist in Neuhof großgeworden. Als Fünfjähriger ist er in die Siedlung gezogen, die ein Vierteljahrhundert später abgerissen werden sollte. Die Wohnung war winzig, ohne Bad, das WC auf halber Treppe, doch nach dem Krieg waren seine Eltern froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. 1979, als Erwachsener, ist Schwitzkowski in seine alte Heimat zurückgekehrt und hat die fast schon ausgestorbene Siedlung fotografiert. Diese Bilder zeigt der 62-Jährige jetzt im Museum der Elbinsel.
Mitte der 50er Jahre lebte Schwitzkowski in der Köhlbrandstraße. „Bis zum Baubeginn der Köhlbrandbrücke im Jahr 1970 war der Ortsteil zwar nicht schön, aber gut bewohnbar“, berichtet er. Die Menschen hätten sich wohlgefühlt, Kinder hätten dort nach Herzenslust draußen herumtollen können. „Sogar das Fußballspielen auf der Autostraße war noch möglich.“ Sein Interesse für die Fotografie hatte er früh entdeckt. War die Fotografie zunächst nur ein Hobby, fotografierte er später als Redakteur einer Jugendzeitschrift Stars wie Paul McCartney und Iggy Pop.
1979 hatten schon viele Neuhöfer die Flucht ergriffen, denn nach den Sturmfluten 1962 und 1976, der Erweiterung der Hansa-Mühle, dem Bau der Köhlbrandbrücke und dem Abriss zweier Häuserblöcke war die Siedlung kurz vorm Aussterben. Rund 750 Menschen lebten zuletzt noch hier. Mit einem Freund machte sich Schwitzkowski noch einmal auf den Weg, um zu sehen, was aus der alten Heimat geworden war. Schnell entdeckten sie, dass viele leer stehende Häuser offen waren und man durch die unbewohnten Wohnungen stöbern konnte. Wie die Wohnungen zu diesem Zeitpunkt aussahen und was dort alles zurückgelassen wurde, hat er mit seiner Kamera festgehalten und dokumentiert. Jetzt, 33 Jahre nach dem Abriss, werden im Museum 33 ausgewählte Exponate dieser ungewöhnlichen Fotodokumentation zu sehen sein. Jürgen Schwitzkowski wird anwesend sein.

Vernissage am Sonntag, 7. Oktober, um 14.30 Uhr im Museum, Kirchdorfer Straße 163; die Ausstellung läuft bis zum 28. Oktober; Öffnungszeiten: sonntags von 14 bis 17 Uhr
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