Neue Sprechstunden für Kinder und Frauen

Matthias Plieninger hilft seit zwei Jahren im Westend mit. Die ehrenamtliche Arbeit sei wichtig, ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, so der pensionierte Hausarzt. Die Situation von Menschen ohne Krankenversicherung könne nur politisch dauerhaft verbessert werden – zum Beispiel mit einem anonymen Krankenschein. (Foto: Ulrike Schmidt)

Migrantenmedizin kooperiert mit Ärzten der Welt

Seit dreieinhalb Jahren bietet ein Team von Ehrenamtlichen im Nachbarschaftstreff West-end eine kostenlose ärztliche Sprechstunde für Migranten ohne Krankenversicherung an. Ab sofort kooperiert das spendenfinanzierte Projekt, bei dem sich vier Ärzte, drei Dolmetscher und drei Helfer engagieren, mit der Organisation Ärzte der Welt. Das Wochenblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.
• Welche Vorteile bringt die Kooperation?
Das Migrantenmedizin-Team profitiert zukünftig von der Erfahrung der Ärzte der Welt, die seit vielen Jahren eine solche Beratung in München anbieten, erzählt Westend-Leiterin Melanie Stello. Zudem beteiligt sich die Organisation an den Personal-kosten und finanziert eine halbe Stelle. Damit hat Stello zukünftig mehr Zeit, um beispielsweise neue Fachärzte zu finden, die bereit sind, die Patienten kostenlos zu behandeln. Zurzeit arbeitet Stello mit rund 30 Praxen im Hamburger Süden zusammen. „Es liegt uns sehr am Herzen, dieses Netzwerk auszubauen, um die Ärzte zu entlasten“, sagt Stello.
• Was ändert sich für die Patienten?
Die Migrantenmedizin bietet ab Anfang 2015 zwei neue Sprechstunden an. Neben der jetzigen am Dienstag wird es ein bis zwei Mal im Monat eine Sprechstunde für Kinder und zwei Mal im Monat eine für Frauen geben. Zudem bekommt die Praxis in den Räumen des Westend ein Ultraschallgerät. „Damit können wir Gynäkologe, an die wir weiter verweisen, etwas Arbeit abnehmen“, sagt Stello.
• Wie viele Menschen kommen in die Sprechstunde?
Zurzeit kommen zwischen 20 und 25 Patienten dienstags ins Westend, so Stello. Pro Jahr sind es 1.000 Besucher. Die meisten Patienten stammen aus Rumänien oder Bulgarien.
• An welchen Krankheiten leiden sie?
Vom Schnupfen bis zum eingerissenen Zehennagel ist alles dabei, erzählt Matthias Plieninger. Genauso wie in seiner alten Praxis, sagt der hausärztliche Internist im Ruhestand, der sich seit zwei Jahren im Westend engagiert. Eines ist jedoch anders: Weil sie sich ohne Krankenversicherung keine Behandlung leis-ten können, gehen viele seiner neuen Patienten jahrelang nicht zum Arzt. „So werden Krankheiten verschleppt und Notfälle provoziert“, sagt Plieninger. Ein Mann kam so spät, dass er nicht mehr behandelt werden konnte und kurze Zeit später an Lungenkrebs starb. „Hätte er eine reguläre Versicherung gehabt, hätte er noch behandelt werden können“, sagt der Arzt. Die Situation von Menschen ohne Krankenversicherung könne nur politisch dauerhaft verbessert werden – zum Beispiel durch die Einführung eines anonymen Krankenscheins.


Ehrenamtliche gesucht!
Die Medizinische Beratung im Westend, Vogelhüttendeich 17, sucht Ehrenamtliche, die türkisch, bulgarisch oder rumänisch sprechen und Patienten zu Arztterminen begleiten können. Interessierte können sich bei Melanie Stello unter Tel. 75 66 64 01 melden.
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