Mit Yoga gegen Krach

Rund 30 Menschen versuchten vergangenen Sonnabend den Lärm der S-Bahnstrecke im Katenweg mit Yogaübungen „wegzumeditieren“. (Foto: pr)
 
Alfred Lischewskis (l.) und Horst Pingels Grundstücke im Katenweg grenzen direkt an die Bahnstrecke an. Schon nach wenigen Wochen ohne Lärmschutz leiden sie unter Beschwerden und haben Anzeige wegen Körperverletzung gestellt.

Schutzwände an Bahngleisen abgerissen – Senat setzt Bewohner des Katenwegs sechs Monate lang Höllenlärm aus

Seit rund einem Monat leiden Alfred Lischewski und seine Nachbarn im südlichen Katenweg an Schlafmangel. Am 22. Februar um 2.15 Uhr rückten Bagger an und rissen die Wand weg, die ihr Zuhause vor dem Lärm der Bahnstrecke schützte. „Seitdem ist es unerträglich laut“, klagt der Wilhelmsburger. Im Garten kann niemand mehr sitzen, auch schlafen bei offenem Fenster ist unmöglich, berichtet Lischewski. Nur knapp 25 Meter von den Häusern entfernt rattern S-Bahnen im Fünf-Minutentakt vorbei – dazu kommen Güter- und Fernzüge. Vor diesem ernsten Hintergrund hat Lischewski vergangenen Sonnabend gemeinsam mit den „Engagierten Wilhelmsburgern“ zu einer kreativen Protestaktion in seinen Garten geladen: Rund 30 Nachbarn und Aktivisten versuchten den Lärm mit Yoga „wegzumeditieren“.
Über die anstehenden Arbeiten sind die Bewohner des Katenwegs nicht informiert worden. Die Deutsche Bahn hatte lediglich eine wegen Arbeiten an der Lärmschutzwand nötige Stre-ckensperrung und den S-Bahn-Ersatzverkehr knapp angekündigt – das Wochenblatt berichtete. „Laut Planfeststellungsbeschluss müssen wir informiert werden“, kritisiert Lischewski. Zum Hintergrund: Der Bau einer 5,5 Meter hohe Lärmschutzwand entlang der Bahnstrecke ist Teil der Vorarbeiten zur Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße. Die Bauarbeiten führt die Planungsgesellschaft Deges im Auftrag der Stadt Hamburg und der DB Netz AG aus.
Aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Heike Sudmann geht hervor, dass die neue Lärmschutzwand frühestens im August stehen wird. Bis dahin sind die Anwohner dem Lärm schutzlos ausgeliefert. Welchem Pegel man sie aussetzt, hat man nicht im Vorwege geprüft.
Horst Pingel, ein Nachbar von Alfred Lischewski, weiß genau, wie laut es ist. Er hat bis zu 90 Dezibel gemessen, wenn eine S-Bahn an seinem Garten vorbeirattert. „Keiner kann hier durchschlafen, und wir leiden alle an Konzentrationsstörungen“, sagt Pingel. Im Lärmaktionsplan der Stadt ist schon bei 60 Dezibel nachts und 70 Dezibel tagsüber von beginnender Gesundheitsgefährdung die Rede. Deshalb wollen die Bewohner des Katenwegs sich wehren. Pingel hat gemeinsam mit Lischewski und seiner Frau Sabine Böttger Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt.


Fragen an die Baugesellschaft Deges:

Elbe Wochenblatt: Wie werden Anwohner während der Bauphase vor Bahnlärm geschützt?
Deges: Im Bereich Katenweg können die Anwohner in der Bauphase nicht vor Bahnlärm geschützt werden. Laut Planfeststellungsbeschluss sind derartige räumlich und zeitlich begrenzte Beeinträchtigungen in der Bauphase tolerabel. Neben den eigentlichen Lärmschutzwänden noch zusätzlich provisorische Lärmschutzwände für einen kurzen Zeitraum zu bauen, wäre wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen.
EW: Wurden Anwohner über die Arbeiten informiert? Wie?
Deges: Die Anwohner wurden über Baumaßnahmen an der Leipeltstraße und damit bedauerlicherweise nicht vollständig auch über Abbruchmaßnahmen informiert. Da uns das Thema Anwohnerinformation sehr wichtig ist, werden wir hier künftig aktiver sein. Nach Bezug des Baubüros im Gewerbe- und Industriegebiet Rotenhäuser Straße im April sind weitere Informationsveranstaltungen für Anwohner geplant.
EW: Welche Arbeiten sind als Nächstes geplant?
Deges: S-Bahn-Sperrungen mit Schienenersatzverkehr finden am Wochenende 21. bis 23. März und am Wochenende 28. bis 30. März statt. In der Zeit werden bauvorbereitende Arbeiten und Baugrunduntersuchungen stattfinden. In der 12. Kalenderwoche beginnen auf der Rückbaufläche der Gleisanlage die Kampfmittelsondierungen.
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