Mein Haus, mein Garten, mein Bunker

Thomas Crombach besitzt neben Haus und Garten auch einen Rundbunker. Im Zweiten Weltkrieg suchten Siedler dort Schutz vor Bombenangriffen, heute dient der Betonkoloss als Abstellkammer. Foto: tsilis

Was tun, wenn im eigenen Garten so ein Betonkoloss steht?

Von Andreas Tsilis.
Hamburg gilt mit etwa 700 Bunkern als Bunkerhauptstadt Deutschlands. Rund 200 davon befinden sich in Wilhelmsburg. Viele liegen in Nachbars Garten - gut versteckt hinter meterhohen Häuserwänden, neben Apfelbaum und Komposthaufen, in der Ellerweide oder der Brack-straße. Sie dümpeln vor sich hin, weil die Eigentümer nichts mit ihnen anzufangen wissen.
Heute bewegen sich die Nutzungszwecke häufig zwischen Abstellkammer, Geräteschuppen und Karnickelstall. Bei allem anderen hätte auch das Bauamt ein Wörtchen mitzureden. Eine Ausnahme bildet der Bunker der Familie Rühlicke. Schon der Uropa lebte dort, sagt Enkelin Stefanie-Mercedes (26).
Sie selbst ist gerade dabei, dem Rundbau aus Papas Garten auf ewig den Rücken zu kehren. Wie schon ihre Brüder wohnte sie hier auf circa 40 Quadratmetern „auf denen sich kein Möbel so richtig stellen ließ“. Als „nutzlos“ empfindet ein türkischer Familienvater den mausgrauen Klotz hinter Haus und Garage. Eine Zeitlang wollte er eine Mietwohnung daraus machen, aber die Angehörigen wollten keine Fremden auf dem Grundstück.
Für einen Abriss hätte man viel Geld in die Hand nehmen müssen. Das war selbst dem Mann mit dem schmucken Haus und dem kraftstrotzenden Luxuswagen vor der Tür zuviel Kies. Das Dilemma mit der Nutzung kennt auch Thomas Crombach. 1981 kauften sich seine Eltern ein Haus samt Garten und Bunker in einer der vielen ruhigen Seitenstraßen unweit des Bahnhofs.
„Früher war der Bunker unser Partykeller“, lacht Crombach. Aus der Not heraus hat der Kraftfahrer den ehemaligen Bombenschutz zum Abstellraum umfunktioniert. Wasser tropft von der Decke - der Zahn der Zeit nagt auch an seinem Rundbunker. Als Baby fand seine Mutter im Zweiten Weltkrieg in einem Bunker in der Nachbarschaft häufiger Zuflucht. Heute sorgt Crombachs Betonkoloss für „Klamauk“. Er werde „immer mal gefragt, ob er auf den nächs-ten Krieg warte“. „Nein“, sagt Crombach dann, „der war schon.“
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