Mehr als nur ein PR-Gag?

Der Haussperling ist das Patentier des Bezirks Mitte. Der Bezirk hat viele Nistkästen für Sperlinge angebracht, allerdings letztmalig 2012. Foto: marco frank/NABU

Alle Bezirke haben Patentiere – aber nicht
alle Paten sprühen vor Engagement

Was gibt’s in jedem Hamburger Bezirk? Eine U-Bahn-
Station, ein Patentier oder einen weiblichen Ehrenbürger? Klare Sache: Antwort B ist korrekt: Seit 2008 haben alle Bezirke Patentiere. Keine Exoten wie Flamingo oder Löwe sondern einheimische Tiere: Kiebitz (Altona), Grasfrosch (Harburg), Sperling (Mitte) oder Großer Abendsegler (Eimsbüttel). Aber haben die Paten auch tatsächlich Maßnahmen zum Schutz der ihnen anvertrauten Tiere entwickelt? Oder ist alles nicht mehr als ein netter PR-Gag?
Das Wochenblatt hat bei den Bezirken nachgefragt und auch Experten vom NABU um deren Meinung gebeten.

Mitte: der Haussperling
Der Bezirk Mitte hatte sich 2008 für den Haussperling als Patentier entschieden. „Die Maßnahmen, die ergriffen wurden, bestehen einerseits in Bestandserfassungen der Reviere und der Ableitung von Schutzempfehlungen, andererseits in konkreten Maßnahmen, meist in der Anbringung von Nistkästen“, erklärt Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland.
In folgenden Stadtteilen wurde der Bestand der Sperlinge erfasst: Altstadt, Neustadt, St. Georg (alle 2008), Veddel und St. Pauli (2009), Wilhelmsburg (2010), Billstedt und Rothenburgsort (in Bearbeitung).
Wo wurden Nistkästen aufgehängt? Fünf Koloniekästen (je drei Nistmöglichkeiten) an der Kunsthalle (2008); Innenhof der steg im Karolinenviertel: sechs Sperlingskoloniekästen (je drei Nistmöglichkeiten) an Fassaden montiert und zwei Nisthöhlen in Bäume gehängt (2009); in den Stadtteilen Hamburg-Altstadt, Hamburg-Neustadt und St. Georg einhundert Nistkästen in Bäumen aufgehängt - bei der Standortwahl am Gutachten orientiert.
15 Kolonie-Nistkästen auf der Veddel angebracht (2011, zehn Nistkästen davon Schule Slomanstieg, fünf Nistkästen Kita Immanuel-Kirche); Glashüttenstraße 99 (steg) – zwei Sperlingskoloniekästen (2012).
Grundsätzlich: Erst wenn klar ist, wie es um die Sperlings-Bestände in den einzelnen Stadtteilen bestellt ist, kann auf Bauvorhaben und Pläne Einfluss genommen werden. Auf Grund dieser Informationen werden die Standorte der Nistkästen ausgewählt. Sorina Weiland: „Dieses Wissen fördert neue Erkenntnisse über die Lebensraumansprüche des Haussperlings, über die Gründe für Bestandsrückgänge und somit über mögliche Schutzmaßnahmen.“

Das sagt der NABU
Wie beurteilt der NABU die Aktivitäten des Bezirks Mitte für den Haussperling?
„Die Anbringung von Nistkästen wird gut angenommen, insbesondere an der Alster. Dort ist die Hilfe geglückt“, berichtet Marco Sommerfeld (NABU), der auch die Anstrengungen des Bezirks, die Spatzen-Bestände in den einzelnen Stadtteilen zu erfassen, lobt.
Seine Forderungen: Nistkästen allein reichen nicht, es muss auch Gebüsche geben, in denen die Sperlinge unterschlüpfen und sich ausruhen können. Bei Neubauten und Gebäudesanierungen sollten gleich Brutnischen mit eingebaut werden. Auch Hausbegrünungen sind nötig, denn dort fühlen sich Sperlinge wohl.
Nach Einschätzung des NABU-Experten hat der Sperlings-Bestand in den vergangenen Jahren stark abgenommen.
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