Maßnahmen bei Bombenfund: Gehts nicht besser?

Nach einem Bombenfund müssen Straßen gesperrt und Häuser evakuiert werden. Für Anwohner ist das oft nervig. (Foto: Andre Lenthe)

Evakuierungen und Straßensperren: Koordination von Polizei und Feuerwehr in der Kritik

von Angela Dietz

Gleich zwei Mal in einer Woche wurden Anfang August in Wilhelmsburg Fliegerbomben entdeckt. Die Folgen für die Anwohner sind lästig: Evakuierungen und Straßensperrungen sind meist nötig, um bei der Entschärfung die Sicherheit zu gewährleisten. Zwar haben die Stadtteilbewohner Verständnis für die Maßnahmen, wünschen sich jedoch zügigere und vor allem genauere Informationen. Das scheint schwierig zu sein.
Die Wilhelmsburgerin Britta Ihmels moniert, dass sie oft nicht schnell genug erfahre, wo Bomben gefunden wurden, wann wo gesperrt oder evakuiert werde und welche Busse und Bahnen noch fahren. „Die Verkehrsmeldungen im Internet sind für Anwohner viel zu ungenau“, klagt Ihmels. Außerdem würden Eltern von Schulen und Kitas angerufen, damit sie ihre Kinder abholen, doch die seien dann oft schon fort. „Es entsteht viel Unruhe, fast Panik“, so Ihmels, selbst Mutter zweier Kinder. Als es kürzlich hieß, dass das Pflegeheim, in dem sie arbeitet, eventuell geräumt werden soll, wartete sie mit vielen anderen auf dem Parkplatz ab. „Alles war voller Polizei, aber die konnten keinerlei Auskunft geben!“, kritisiert sie.
Die Nachfrage bei den zuständigen Stellen, Feuerwehr und Polizei, verdeutlicht ein Problem: Je nach Art des Zünders des gefundenen Blindgängers ist der Evakuierungsradius größer oder kleiner. Da bei einem Bombenfund nicht immer gleich klar ist, um welchen Zünder es sich handelt, wird aus Sicherheitsgründen manchmal zunächst ein größerer Evakuierungsradius angegeben als später nötig ist. Der Sprengmeister der Feuerwehr hat dabei den „Hut auf“. Er entscheidet in Absprache mit der Polizei.
Lautsprecherdurchsagen werden nur in Straßenzügen gemacht, die geräumt werden sollen. „Ist man unterwegs und will wissen, ob man seinen Wohnort wieder mit dem Pkw anfahren kann, sollte man das zuständige Polizeikommissariat anrufen“, empfiehlt ein Beamter des PK 44 in Wilhelmsburg. Sein Tipp: „Am besten hat man die Nummer immer bei sich.“
Britta Ihmels wünscht sich neben besseren Notfallplänen in Schulen und Kitas trotzdem eine bessere Koordination: „Warum gibt es keine hochaktuelle, koordinierte Information via Internet?“

Blindgänger: Noch Tausende in Wilhelmsburg
Rund 3.000 Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg werden in Hamburg noch vermutet. In Wilhelmsburg ist mit weiteren Funden zu rechnen, denn im Zuge der zahlreichen Bauarbeiten ist die Suche verpflichtend. Bomben mit Aufschlagzünder können in der Regel entschärft werden, Bomben mit Säurezünder müssen gesprengt werden.
Die Bewohner einer Sperrzone können, wenn nötig, in eine Notunterkunft gebracht werden, das sind in Wilhelmsburg Schulen.
Eine Sperrzone kann einen Radius von 300 Meter um die Fundstelle haben. Daran anschließend gibt es eine sogenannte Schutzzone von rund 1.000 Metern. Dort können die Leute in den Häusern bleiben, müssen aber Türen und Fenster geschlossen halten.
Online haben die Behörden das Katwarn-System geschaltet. Wenn man sich dort anmeldet, erhält man im Katastrophenfall Meldungen via SMS aufs Handy.
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