Markus Schreiber nimmt seinen Hut

Aus nach zehn Jahren im Amt: Bezirksamtsleiter Markus Schreiber bei der Verabschiedung von seinen Mitarbeitern. Foto: Arnd Hemken (Foto: Arnd Hemken)

Vier Wochen nach dem Tod von Chantal (11) legt der Bezirksamtsleiter sein Amt nieder

von Ch. v. Savigny

Zum Schluss war der Druck zu groß geworden – auch der aus den eigenen Reihen: Am Freitag vergangener Woche gab Bezirksamtsleiter Markus Schreiber im Beisein von Bürgermeister Olaf Scholz im Hamburger Rathaus seinen Rücktritt bekannt. „Der entsetzliche Tod eines elfjährigen Mädchens unter den Augen meines Jugendamtes, meines Bezirksamtes, belastet mich so stark, dass ich nicht weiter Bezirksamtsleiter sein will“, sagte Schreiber.
Knapp vier Wochen nachdem die Wilhelmsburger Schülerin Chantal unter tragischen Umständen an einer Methadonvergiftung gestorben ist, hat der „Bezirks-Bürgermeister“ jetzt die Reißleine gezogen. „Es gilt, Schaden vom Bezirksamt, vom Senat, vom Bürgermeister und von der Hamburger SPD abzuwenden“, so Schreiber. In den vergangenen Tagen war auch Scholz mehr und mehr in die Kritik geraten und hatte schließlich seinen Parteikollegen zur Aufgabe gedrängt. Als möglicher Nachfolger ist der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete und Stadtentwicklungsexperte Andy Grote im Gespräch.
Die anderen Fraktionen in der Bezirksversammlung (BV) bezeichneten Schreibers Rück-tritt als „längst überfällig“. „Dies muss der Anfang der Aufklärung und darf nicht der letzte Schritt sein“, so GAL-Fraktionschef Michael Osterburg. „Unter einem neuen Bezirksamtsleiter müssen strukturelle Maßnahmen und Verbesserungen getroffen werden, die nicht nur das Jugendamt betreffen.“ Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jörn Frommann fordert die Einrichtung von „Arbeitsgemeinschaften“, wie sie nach dem Sozialgesetzbuch vorgesehen sind. „Diese können ein sachgerechtes Urteil über Bedarf und Umstrukturierungsnotwendigkeiten bei den Leistungen der Jugendhilfe abgeben. Wir muss-ten nun schon zu oft erfahren, dass es in diesem Bereich nicht nur um viel Geld geht, sondern auch um Leben und Tod. Deshalb brauchen wir mehr fachliche Kompetenz“, so Frommann.
Nach Ansicht von BV-Mitglied Klaus Lübke (SPD) wurde die Diskussion um Markus Schreiber extrem unsachlich geführt. „Es gab eine regelrechte Hetzkampagne, die jede Menge Schaden angerichtet hat. Davon fühle ich mich angeekelt“, so Lübke. Nun gehe es darum, die Ursache für die Versäumnisse des Jugendamts herauszufinden.
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1 Kommentar
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Moritz Krauß aus Wilhelmsburg | 19.02.2012 | 00:07  
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