Lieber im Container als im Klassenzimmer

Ohne Obdach: Mitarbeiter des Spielhauses, Mütter und Kinder hoffen, dass bald ein Container aufgestellt wird.

Spielhaus Veddel wegen Schimmel dicht, Schule als Zwischenlösung –
Bezirksamt will jetzt Container aufstellen

von Claudia Pittelkow, Veddel
Das Spielhaus in der Katenweide ist eigentlich schon seit Jahren reif für den Abriss. Der verregnete Sommer hat dem Gebäude jetzt allerdings endgültig den Rest gegeben. „Nach einem Starkregen stand der Babyraum komplett unter Wasser, im Gruppenraum kamen zwei Deckenplatten runter“, erzählt Jini Holländer, Leiterin der Einrichtung.
Bis zu den Sommerferien lief der Betrieb zunächst noch weiter, doch dann wurde die Bude dichtgemacht. Der Grund: Bei einer Untersuchtung wurden Schimmelsporen festgestellt. „Die Schließung erfolgte vorsorglich, da von einer Gesundheitsgefährdung auszugehen war“, informiert Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte.
Für Mitarbeiter und Kinder ist die Schließung eine Katastrophe. Zwar können sie als Übergangslösung einen Raum in der benachbarten Schule benutzen. „Doch der ist viel zu klein“, sagt Betreuerin Kamer Coskun. Es gebe kaum Platz für Spielzeug, und wegen des Unterrichts nebenan müssten die Kinder leise sein. „Wie soll das gehen?“, fragt Coskun.
Noch härter trifft es die älteren Kinder, die das Nachmittagsprogramm des Spielhauses nutzen – die bleiben jetzt lieber Zuhause. „Von 30 Kindern, die sonst nach der Schule kommen, sind gerade mal acht übriggeblieben“, bedauert Betreuerin Ayten Saglam. In einem Klassenzimmer wollen die Kinder offenbar nicht ihre Freizeit verbringen.
Dabei hat die Einrichtung eine ganz besondere Funktion im Stadtteil: „Für viele Kinder ist das Spielhaus ein zweites Zuhause“, betont Jini Holländer, die in den letzten 20 Jahren viel Vertrauen aufgebaut hat. „Ich habe Angst, dass diese Arbeit zunichte gemacht wird, wenn nicht bald etwas passiert.“
Zwar gibt es laut Bezirksamt Planungen für einen Neubau, doch von einem konkreten Termin kann keine Rede sein. Stattdessen will man jetzt erstmal Container aufbauen. „Die Fachämter Sozialraummanagement und Stadt- und Landschaftsplanung prüfen derzeit das weitere Verfahren, also Größe der Container, Anschlüsse, Baugenehmigung und so weiter“, so Behördensprecherin Weiland. Einen Termin gibt es auch hier noch nicht.
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