Lidl will aufs Biotop

Halten den Standort für bedenklich: die Grünen Jutta Kodrzynski, Lena Dittmer und Michael Osterburg von den Grünen (v.l.) und Harald Köpke vom BUND. (Foto: sk)

Stadt will unter Naturschutz stehendes Grundstück an den Discounter verkaufen

von Steffen Kozieraz

Ein neuer Lidl-Markt für Kirchdorf-Süd ist ja schön und gut, doch muss der Discounter ausgerechnet auf einem geschützten Biotop gebaut werden? Eine Anfrage der Grünen brachte es zutage: Die Stadt hatte das 5.700 Quadratmeter große Grundstück an der Otto-Brenner-Straße ausgeschrieben, und Lidl hat den Zuschlag bekommen. „Wir haben nichts gegen einen weiteren Discounter, aber dann bitte da, wo die Leute wohnen und wo keine wertvolle Grünfläche zubetoniert wird,“ so Jutta Kodrzynski von den Grünen.
Als sinnvolleren Standort schlägt die Bezirksabgeordnete das abgebrannte, teilweise leerstehende Einkaufszentrum vor und fordert, dass sich die beiden Eigentümer Saga/GWG und die Stadt mit dem Investor Lidl an einen Tisch setzen und über diesen Standort verhandeln. „Dann könnte das Biotop erhalten bleiben“, so Grünen-Sprecherin Lena Dittmer.
Interessanterweise hält auch die Behörde für Stadtentwick-lung und Umwelt (BSU) den Standort auf der grünen Wiese ebenfalls für bedenklich. „Aus naturschutzrechtlichen Gründen sehen wir das kritisch,“ bestätigt BSU-Sprecherin Kerstin Graupner. Doch liege ein altes Planrecht von 1973 auf dieser geschützten Fläche. Demnach erhält ein Investor eine Sondergenehmigung und darf bauen, wenn er eine Ausgleichsfläche vorweisen kann.
Das Problem: Auf der Elbinsel sollen gar keine Ausgleichsflächen mehr vorhanden sein. Falls also eine Sondererlaubnis die Zubetonierung des Biotops erlauben sollte, dann weil die Stadt Hamburg gleichzeitig Verkäufer und Genehmiger ist? Das vermutet zumindest Harald Köpke vom Naturschutzbündnis BUND, der dem SPD-geführten Senat Verkaufstaktik vorwirft. Köpke: „Es sieht so aus, als ob die Finanzbehörde hier das Tafelsilber der Stadt verscherbelt!“
Das sei „grober Unfug“, kontert umgehend Finanzbehördensprecher Daniel Stricker. Weder handele es sich hier um Tafelsilber, mit dem man den Haushalt sanieren könnte, noch stecke dahinter eine Taktik. Es werde schlicht ein Verkauf angestrebt, weil sich ein Investor gemeldet habe, so Stricker.
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