Lesewoche und Kinderzirkus stehen vor dem Aus

Beim Zirkus Willibald zeigen Wilhelmsburger Kinder seit 20 Jahren, was sie können. Als praktisches Bildungsprojekt ist der Kinderzirkus mehrfach ausgezeichnet worden. (Foto: Volkmar Hoffmann)

Kein Geld mehr von der Behörde? Langjährige Arbeit des Forums Bildung Wilhelmsburg gefährdet

Auf den Elbinseln ist sie längst zur Tradition geworden: Die Lesewoche. Seit elf Jahren veranstaltet das Forum Bildung Wilhelmsburg (FBW) jeden November die Projektwoche für rund 5.000 Kinder aus Wilhelmsburger Grundschulen und Kitas. Dann wird überall auf der Elbinsel gelesen und bekannte Kinderbuchautoren, wie Kirsten Boie, Schirmherrin der Lesewoche, und Finn-Ole Heinrich, Träger des Deutschen Jugendliteraturpreises 2012 zeigen den Mädchen und Jungen wie viel Spaß Bücher machen können. Zuletzt kam auch Kultursenatorin Barbara Kisseler auf die Elbinsel, um bei der Vorstellung des ersten bundesweiten Literaturpreises dabei zu sein, den die Lesewoche auslobt. Trotz seines Erfolgs steht das Bildungsprojekt jetzt vor dem Aus und mit ihm auch die Forscherwoche, Kochwoche und der Zirkus Willibald. Denn das Forum Bildung Wilhelmsburg droht seine Finanzierung zu verlieren.
Bisher finanzierte die Schulbehörde das FBW. „Wir sind aktuell im Umsteuerungsprozess hinsichtlich der regionalen Aufstellung auf den Elbinseln und sind daher in Gesprächen, auch um zu klären, was die Schulbehörde gemäß ihrem Kernauftrag finanzieren kann und will“, sagt Sprecher Peter Albrecht im besten Behördendeutsch. Entscheidungen seien noch nicht gefallen.
Bei Wilhelmsburger Schul- und Kitaleitern stoßen die Pläne der Behörde auf Kritik. „Unsere Kinder brauchen mehr praxisorientierte Projekte“, sagt Ole Junker, Leiter der Grundschule Rotenhäuser Damm, und fügt hinzu: „Lesen ist eine Schlüsselkompetenz. Wir brauchen jede Unterstützung.“ Durch Veranstaltungen wie den Vorlesewettbewerb während der Lesewoche würden Kinder eine wichtige Wertschätzung bekommen. Sollten die Projekte des FBW eingestampft werden, wäre das tragisch, so Junker.
Das sieht auch Beate Drews, Leiterin der Kita Kirchdorfer Straße so. Während der Forscherwoche könnten Vorschulkinder zeigen, dass sie ernsthaft forschen und experimentieren. „Das ist ein hamburgweit einmaliges Projekt“, sagt Drews. Das FBW würde zudem den Austausch der einzelnen Institutionen fördern und die wichtigen Projekte erst ermöglichen. „Wir brauchen einen, der das in die Hand nimmt, sonst wird das nichts“, so Drews.


Info: Forum Bildung Wilhelmsburg
Entstanden ist das Forum Bildung Wilhelmsburg (FBW) im Sommer 2002 aus der Wilhelmsburger Zukunftskonferenz heraus. Damals wurde gefordert, eine übergeordnete Einrichtung zu schaffen, die Bildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen fördern sollte. Vor dem Hintergrund der alarmierenden Ergebnisse der Pisa-Studie und lokaler Untersuchungen zur Sprachkompetenz Wilhelmsburger Schüler rief FBW-Geschäftsführer Wilhelm Kelber-Bretz 2004 die Lesewoche ins Leben. „Wir wollten mehr Kinder ans Lesen heranführen und ihre Lesekompetenz zu stärken und Bildungschancen zu erhöhen“, sagt Kelber-Bretz. Zu seinen weiteren sehr erfolg-reichen Projekten gehören die Forscherwoche, Kochwoche, Inseltouren und der Kinderzirkus Willibald. Für ihre Organisation hat die Schulbehörde Kelber-Bretz, der an der Stadtteilschule Wilhelmsburg unterrichtet, teilweise von Schuldienst freigestellt. Um seine Projekte zu realisieren wirbt der FBW-Geschäftsführer zusätzlich Geld über Spenden und Sponsoren ein – über die Jahre sind so Zehntausende von Euro den Wilhelmsburger Kindern zugute gekommen.



Offenes Bildungsforum
Am Montag, 10. November, ist die Zukunft des Forums Bildung Wilhelmsburg Thema beim Offenen Bildungsforum der Regionalen Bildungskonferenz (RBK) Elbinseln. Getagt wird ab 17 Uhr im Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20. Die Sitzung ist öffentlich.
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 23.10.2014 | 10:07  
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