Leinenlos in Wilhelmsburg...

Hundehalter Richard und sein Mischling Saco wohnen seit elf Jahren in Wihelmsburg. „Ich bin noch nie kontrolliert worden“, sagt er. Foto: cvs
Hamburg: Hundauslaufzone in Wilhelmsburg |

...ist selten erlaubt – Hundehalter werden jedoch kaum überprüft

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg

Wer in Wilhelmsburg seinen Vierbeiner von der Leine lassen möchte, muss dafür meist weite Wege zurücklegen: Gerade mal eine Auslaufzone bietet die Elbinsel den örtlichen Hundebesitzern an. Diese befindet sich – nicht gerade zentral gelegen – am Ernst-August-Kanal. Auch für den Fall, dass Hund und Halter den sogenannten „Hundeführerschein“ abgelegt haben, sieht die Sache nicht unbedingt besser aus.
Geprüfte Hunde dürfen lediglich am Reiherstieg-Grünzug und im Uferpark an der Wilhelmsburger Schleuse frei herumtollen. „Es macht für Hundebesitzer überhaupt keinen Sinn, die Prüfung abzulegen, wenn sie dadurch keinerlei Vorteile haben“, sagt Jule Thumser, Vorsitzende der Hamburger Hunde-Lobby. Der Verein setzt sich generell für eine leinenlose Hundehaltung ein. „Die Tiere verhalten sich dann weniger aggressiv, weil sie kein Territorium zu verteidigen haben“, so Thumser. Gegenüber dem Wochenblatt hatte das zuständige Bezirksamt Mitte kürzlich geäußert, sich für eine zusätzliche Auslaufzone im Inselpark einsetzen zu wollen.

Im Jahr 2000 wurde der
kleine Volkan totgebissen

Das Thema „Leinenlos“ ist in Wilhelmsburg schwer behaftet: Im Jahr 2000 war der sechsjährige Volkan auf dem Gelände der damaligen Buddeschule von zwei Kampfhunden zerfleischt worden. Nach seinem Tod wurde das Hamburger Hundegesetz deutlich verschärft: Vorgeschrieben sind Chip und Haftpflichtversicherung, außerdem gilt ein allgemeiner Leinenzwang – der aber nach dem Wegfall des Bezirklichen Ordnungsdienstes (BOD) Ende 2013 kaum noch überprüft wird. Nur 24 diesbezügliche Bußgeldverfahren zählt die Statistik des Hamburger Gesundheitsamts (BGV) für 2014 auf – 2013 waren es noch knapp 100 gewesen.
Die Nachfolge-Organisation des BOD nennt sich „Hundekontrolldienst“ und hat nur sechs Mitarbeiter. Streife gehen wie beim BOD ist offenbar nicht mehr möglich: „Der Hundekontrolldienst ist hauptsächlich auf Abruf im Einsatz, wenn irgendwo gefährliche Hunde eingefangen oder abgeholt werden müssen“, sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte. Verstöße gegen die Anleinpflicht werden in der Hansestadt mit Bußgeldern zwischen 30 und 600 Euro geahndet.
Im Hamburg ist die Zahl der registrierten Hunde in den letzten Jahren deutlich angestiegen – laut BGV-Statistik von knapp 52.000 (2010) auf mittlerweile gut 69.000.
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